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Was folgt daraus? Was wäre, wenn wir hierzulande solch amerikanische Verhältnisse hätten?

One share – one vote. Und wenn 55 % der Aktien eines Unternehmens in den Händen der Belegschaft liegen, so geht die Macht in Bezug auf die Gesellschaft dann wohl von diesen 83.000 Personen aus. Soviel zur Theorie. Das bessere Blatt auf der Hand haben natürlich die Gläubiger. Weil der Staat nicht für 1,8 Mrd. US-$ zu bürgen bereit war, die der Schlüssel zu 2,0 Mrd. US-$ neuer Kredite gewesen wäre (Frage am Rande: Wofür verlangen Kreditgeber dann noch eine über der „Prime Rate“ liegende Risikoprämie?), war für UAL ein Gläubigerschutz gemäß Chapter 11, etwa vergleichbar mit dem schlecht von Amerika kopierten, deutschen Insolvenzverfahren zuzüglich Eigenverwaltungsoption, fällig. 83.000 Angestellte und ein Mehrfaches davon in abhängigen Zulieferbetrieben samt all derer Familien und einige tausend sonstige Aktionäre zittern nun zurecht um Einkommen und / oder Vermögen.

Das hätt’s in Deutschland nicht gegeben! 3,8 Milliarden US-$ Verlust in den letzten zwei Jahren und 2,0 Mrd. $ Umfinanzierungsnotstand sind keine Peanuts mehr, auch nicht die 500 Mio. US-$ Kredit, mit denen unsere KfW (Soll die nicht dem deutschen Mittelstand auf die Beine helfen? Gehört UAL zum klassischen deutschen Mittelstand?) mit von der Partie ist. Aber bittesehr, Herr Bundeskanzler, was sind denn schon 21.700 US-$ oder Euro pro gerettetem Arbeitsplatz? Und es winken gleich mindestens dreimal so viele potentielle Wählerstimmen? UAL wäre bei uns schon längst gerettet, käme die Aktion doch auch vom Timing her ideal für den Letzte-Hemden-Empfänger, dessen Sorgenfalten derzeit neue Allzeittiefs zeigen.

Das wäre doch ein Anlaß, um die deutsch-amerikanischen Beziehungen wieder zu kitten, nicht wahr? Bundesbürgschaften, gedeckt durch künftige Einnahmen aus Vermögens- und Ökosteuer, retten zweitgrößte Fluglinie der Welt. Eine Handvoll deutscher Spitzenpolitiker könnte sich nebenbei durch einen Sitz im UAL-Board seine kargen Diäten aufpeppeln.

Noch ein ketzerischer Gedanke zum Abschluß gefällig? Wenn 55 % der Aktien eines Dax-Wertes den Mitarbeitern gehörten, wer säße dann im Aufsichtsrat? Und welche Berechtigung hätte die berühmte „Arbeitnehmerbank“ im selben Gremium? Wie würde solch Unternehmen am Kapitalmarkt Werbung für sich und seine Aktien machen, wenn eine große Kapitalerhöhung ansteht? Fragen über Fragen…

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Die GoingPublic erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.