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Nein, es soll zunächst nicht um die Deutsche Bank gehen, deren einschlägige (Fehl)-leistungen passend zum aktuellen Werbeslogan mit hinreichender Leidenschaft gepflegt werden. Zunächst gilt es, die Ad-hoc-Meldung der Haitec AG vom 10. Juni in ihrer ganzen Schönheit zur Kenntnis zu nehmen. Um 20.06 Uhr an jenem schönen Freitag im Jahr des Herrn 2005 lief folgendes über den Ticker: „Die HAITEC AG, München, hat im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres Ihr (sic!) Planergebnis weiterhin übertroffen. Der HAITEC-Konzern hat im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres im Vergleich zum 1.Hj 2003/2004 durchschnittlich 41 Mitarbeiter abgebaut.“

Na also, endlich traut sich mal ein Unternehmen klar zu sagen, worin der Hauptzweck des täglichen Tuns besteht. Mitarbeiter abbauen. Durchschnittlich und überdurchschnittlich. Da kommt es dann auf die Orthografie nicht so an. Wie denn so die Planziele der Leser der Meldung gewesen sein mögen, bleibt naturgemäß im dunkeln. Klarer Fall, frei nach einem Bonmot Manfred Rommels: Man muß nicht nur keinen klaren Gedanken fassen können, sondern auch unfähig sein, ihn auszudrücken.

Welch weitreichende Einflüsse eine qualitativ ansprechende Kommunikation auf den Geschäftserfolg besitzen kann, unterlegt aktuell eine Studie der FH Mainz, die 62 Banken umfaßt. Kommunikation schafft Image, und das befördert oder hemmt je nach Qualität das Geschäft, vor allen in Branchen, in denen das Unternehmen die Marke ist und weniger die Produkte es sind. Viele Banken in Deutschland seien in der Vergangenheit geradezu verschwenderisch mit dem Imagekapital umgegangen, heißt es. Das ist mit Wertevernichtung gleichzusetzen.

Der geniale Kommunikationswissenschaftler Neil Postman formulierte einst, daß es nichts Nachteiligeres gebe, als wenn die Fügung der Wörter ein Hemmnis für den Verstand bilden. So sehen das jedenfalls die Kunden. Wer ausstehende Handwerker-Rechnungen nach der Insolvenz eines Baulöwen als „Peanuts“ bezeichnet oder gleichzeitig mit der Bekanntgabe eines Milliardengewinns massiven Stellenabbau ankündigt, dient nicht dem Interesse des Unternehmens und seiner Aktionäre.

Vielleicht ist das aber auch nur der ganz raffinierte Trick der verkannten PR-Männer der Deutschen Bank, einer Übernahme entgegenzuwirken. Auf Platz eins des FH-Rankings steht nämlich die HypoVereinsbank – und deren weiteres Schicksal ist ja nun hinlänglich bekannt.

Stefan Preuß

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