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Nicht nur sportlich, auch in Sachen Wirtschaftlichkeit haben die Bayern Maßstäbe gesetzt. Mit Umsätzen von 249,7 Mio. DM 1999 befinden sie unter den zehn größten Clubs der Welt. Um durchschnittlich 26 % p.a. konnten die Münchner die Einnahmen seit der Saison 1993/1994 steigern. Die Gewinne stiegen im gleichen Zeitraum von 9,4 auf 24 Mio. DM.

Bereits Anfang der 90er Jahre setzte der Club auf das Zugpferd Merchandising, mit dem 1999 fast die Hälfte des Umsatzes, nämlich 93,2 Mio. DM, erzielt wurden. Fernseh- und Sponsorengelder sind zwei weitere Finanzsäulen. Aktuell kassiert der Branchenkrösus an TV-Geldern rund 30-40 Mio. DM pro Jahr. Die Hauptsponsoren Opel und Adidas sowie weitere 16 Partner garantieren zusätzliche Millioneneinnahmen für die Marke FC Bayern. Mit rund 30 % Umsatzanteil ist die Abhängigkeit von Ticket- und Spielerverkäufen weit geringer als bei der Konkurrenz.

Ob der FC Bayern an die Börse geht, hängt im wesentlichen von der Stadionfrage ab: Das Olympiastadion in München ist in die Jahre gekommen, die Bayern träumen von einer Multifunktions-Arena im großen Stil, 500 bis 600 Mio. DM würde man sich diesen Traum durchaus kosten lassen. Einzig der Standort fehlt, die Verkehrsanbindung und die Infrastruktur rund um den geplanten Riesenkomplex müßte die Stadt München stellen. Bislang konnten die Bayern Spielertransfers im zweistelligen Millionenbereich ohne Anstrengungen finanzieren, dies wird auf absehbare Zeit so bleiben. Zur Beflügelung des operativen Geschäfts benötigen die Bayern keinen Emissionserlös, wohl aber zum Bau der neuen Erlebniswelt, die als Vermögensgegenstand umgekehrt den Börsenwert steigern würde.

Die Münchener Führungsriege um Uli Hoeneß, Prof. Dr. Fritz Scherer, Karl-Heinz Rummenigge und Franz Beckenbauer sieht derzeit keine Veranlassung für den Gang auf das Börsenparkett. Nur wegen des Geldes wollen die Bayern (bislang) ihre Unabhängigkeit nicht aufgeben. Kommt das neue Stadion, besitzt der Verein mit einer Umsatzrendite von knapp 10 % und einem professionellen Management die Börsenreife. Ein Blick auf andere europäische Top-Clubs zeigt den möglichen Marktwert. Für den letztjährigen Champions League-Sieger Manchester United plc. wird aktuell bei einer Börsenbewertung von 1,5 Mrd. Euro das 58fache des 99er Gewinns und das 11fache des 99er Umsatzes gezahlt. Die italienische Societa Sport. Lazio Roma pA wird zur Zeit mit einem 2000er KGV von 23 bewertet. Auf Grund der dominierenden Markstellung scheint ein Emissions-KGV um 25 realistisch bzw. ein Umsatz-Multiple von 5 mittelfristig erreichbar. Daraus errechnet sich eine Marktkapitalisierung zwischen 750 Mio. und. 1,5 Mrd. DM.

Quelle: GoingPublic Sonderausgabe FUSSBALL-AKTIEN, S. 98. Die insgesamt 128 Seiten umfassende Ausgabe ist im Bahnhofsbuchhandel und gut sortierten Zeitschriftenhandel zum Preis von 14,80 DM erhältlich. Im Internet können Einzelhefte unter http://www.goingpublic-online.de/sa bestellt werden. Abonnenten des GoingPublic-Magazins haben die Ausgabe bereits kostenlos erhalten.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.