Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Selten zuvor wurden einige zwielichtige Börsenkandidaten derart hart abgestraft wie in diesem Jahr. Die Gründe für die einzelnen Rücksetzer fielen von Fall zu Fall unterschiedlich aus: Mal ist es das Unternehmensmodell, mal das Management und mal die erst in ferner Zukunft zu erwartenden Gewinne – teilweise kommen aber auch mehrere oder sogar alle Faktoren zusammen.

Platz 1 und auch Platz 2 werden von den CRM-Anbietern [CRM: Customer Relationship Management], namentlich Intraware und update.com, belegt. Beide Kandidaten haben es geschafft, über 90 % an Wert seit der Emission im April bzw. Mai einzubüßen. Intraware meldete zwischenzeitlich ein „voraussichtliches Übertreffen der Planzahlen“, Mitte November – also nicht gerade besonders frühzeitig – bemerkte man, daß die Umsatzprognosen deutlich nach unten korrigiert werden mußten. Bei update.com lief es ähnlich, nur ganz anders: Der Vorstand revidierte bereits drei Monate nach dem Börsengang im Frühjahr die viel zu optimistischen Prognosen nach unten. Das sollte richtungsweisend sein und abhärten: Im Laufe des Jahres wurde eine weitere Korrektur der Planungen fällig. Der selbsternannte „führende europäische Anbieter von CRM-Lösungen“ zeichnete seinen Anlegern ein schreckliches Bild von seiner Unternehmenstätigkeit.

Hohe Erwartungen schürte auch die 1995 gegründete mediascape communications AG, ein Spin-off der bereits börsennotierten Emprise AG, bei ihrem Börsengang im Mai. Das Hamburger Unternehmen bietet mittels Richtfunktechnik die Möglichkeit, mit bis zu 2.325facher ISDN-Geschwindigkeit im Internet zu surfen oder Telefon-Gespräche zu führen. Die teure Technologie hat aber Probleme, sich bei dem im Frage kommenden Kundenkreis durchzusetzen. Derweil sind die Kosten für den Aufbau der notwendigen Infrastruktur hoch und das Erreichen der Gewinnschwelle nicht absehbar. Allein in den letzten beiden Monaten büßte mediascape rund 80 % an Wert ein, fast 90 % seit der Emission.

Der Online-Reisedienstleister Travel24.com landete mit einem Minus von 89,3 % gegenüber der Erstnotiz im März auf Platz 4 der IPO-Zitronen 2000. Das Münchner Unternehmen betreibt ein gleichnamiges Internet-Reise-Portal, über das die Buchung von Reisen, Flügen und Hotels abgewickelt werden kann. Doch das kann man inzwischen allerorten und jederzeit. Die Konkurrenz ist hoch, die Gewinnmargen dafür niedrig. Das Geschäftsmodell fand zu keiner Zeit rechten Zuspruch.

Ein besonderes Kunststück ist dem Online-Werbevermarkter ad pepper media gelungen. Die Erstnotiz fand zwar erst am 9. Oktober statt, nichtsdestotrotz haben sich seitdem 85 % des Unternehmenswertes in Luft aufgelöst. Das klingt bemerkenswert, doch verwunderte es niemanden. Denn bezüglich der Prognosen legte das Unternehmen ein ähnlich rasantes Timing an den Tag: Die 2000er Planzahlen wurden schon wenige Wochen nach dem Börsengang um 40 % zurückgenommen. Daß die Planungen für die kommenden Jahre wie gehabt belassen wurden, stieß hingegen auf Erstaunen und Unglauben. Die ursprünglichen Planzahlen sehen Umsätze im Jahre 2002 in Höhe von über 100 Mio. Euro vor, eine satte Steigerung um 500 % gegenüber den aktuellen Zahlen wäre dafür vonnöten. Allein der Glaube der Marktteilnehmer daran fehlt, und das zweifellos nicht zu Unrecht: Die Talfahrt von ad pepper hat sich gerade in den letzten Tagen weiter beschleunigt, der Aktienkurs – derzeit 2,25 Euro – befindet sich auf bestem Wege den dubiosen Pfaden von LetsBuyIt.com zu folgen…

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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