Anders als erwartet, brach der private Konsum, der einen maßgeblichen Anteil an der Gesamtnachfrage hat, nicht ein, sondern blieb erstaunlich konstant. Der Wirtschaft half das über den ärgsten Einbruch hinweg. Die Erklärung: Die amerikanischen Verbraucher setzten bei ihrem Vermögensaufbau stärker auf Immobilien als auf Aktien. Der Anteil der Eigenheime am Gesamtvermögen war und ist größer als das Aktienvermögen. Die Immobilienpreise stiegen und dämpften so den gespürten Vermögensverlust.

Gerne wird übersehen, daß diese Stabilität künstlich ist, wie so vieles in den Staaten. Die US-Verbraucher lebten zuvor schon auf Pump, und sie tun es jetzt um so mehr. Das Gros der in den letzten Quartalen gebauten Eigenheime wurde nur deshalb in Auftrag gegeben, weil Verbraucher dank historisch niedriger Hypothekenzinsen eine „günstige Gelegenheit“ witterten – nicht etwa, weil sie es sich leisten konnten. Niedrige Schuldzinsen sind mithin ein schlechtes Kaufargument, gleichgültig ob es sich dabei um ein Haus, ein Auto oder Aktien handelt.

Eigentlich können sich die US-Bürger keine großen Sprünge erlauben. Wie die Arbeitslosenstatistiken in den USA zustande kommen, weiß wohl nur der Wind. Angesichts der weiter anhaltenden Massenentlassungen in den Unternehmen rauft man sich die Haare, wenn die Arbeitslosenquote im letzten Monat von 5,9 % auf 5,7 % gefallen sein soll. Statistiken werden korrigiert, wenn niemand hinsieht.

Vertrauensbildende Maßnahmen – als da wären: neue Vorschriften (die eigentlich selbstverständlich hätten sein sollen), neue Steuersenkungen (die sich der Staat eigentlich nicht erlauben kann) und neue Konsum-Appelle an die Konsumenten (denen langsam, aber sicher die finanzielle Basis abhanden kommt) – ziehen irgendwann nicht mehr. Die US-Notenbank hat ihre Munition im letzten Jahr schon verschossen, Präsident Bush II ist noch fleißig dabei (in absolut jeglicher Hinsicht), und die Konsumenten konsumieren längst jenseits ihrer Verhältnisse. Die Alternative zu alledem? Realisieren, handeln und – offenbar zu schwierig – den Leuten die unverblümte Wahrheit sagen.

Wenn das notwendige Wirtschaftswunder ausbleibt, werden sich die Urheber ihrer Bilanz stellen müssen. Die Geschichtsbücher werden den oder die Hauptschuldigen an der Asset-/Immobilien-/Konsum-Bubble dann hoffentlich beim Namen nennen. Ist ja auch nicht allzu schwer, zur Zeit aber noch etwas inopportun.

Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.