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Die Anregung stammt von Michael Knipper. Der ist nicht Geschäftsführer irgendeines Verbandes, sondern sogar Hauptgeschäftsführer eines Hauptverbandes, konkret: der Deutschen Bauindustrie. Der geht es eigenem Bekunden nach so lala. Ein paar satte Aufträge vom Bund für die Sanierung oder den Ausbau des Fernstraßennetzes wären da genau das Richtige. Leider ist der Bund nicht in dem Maße liquide, wie es sich der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes wünscht. Man würde gerne mehr bauen, kann es sich aber nicht leisten.

Bis so ein Mautsystem beschlossen und installiert ist, man mag gar nicht an die Wehen bei der Geburt der Lkw-Maut denken, dauert es natürlich. Da dem Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes diese Zeit zu lange dünkt, schob er gleich eine weitere Idee nach: Zur Überbrückung der Finanzierungslücke solle der Erlös des Bahn-Börsenganges für den Verkehrswegebau eingesetzt werden.

Alles in allem ist das natürlich eine geradezu geniale Vertriebsidee. Wer hätte gedacht, dass Maut so sexy sein kann. Normalerweise lassen sich Politiker ja bei der Findung und Umsetzung neuer Belastungen für den Bürger von nichts und niemanden überholen. Knipper ist dieses Kunststück gelungen. Das will schon was heißen. Okay, es herrscht das Sommerloch, und da glänzt manchmal nicht nur der Sommer mit Abwesenheit, sondern auch Anderes. Aber genau genommen ist dem Vorstoß eine gewisse Logik nicht abzusprechen: Wenn die Tabaksteuer zur Finanzierung der Verbesserung der Inneren Sicherheit angehoben wird, dann kann man auch die Bahn zur Sanierung der Autobahnen an die Börse bringen. Wenn es halt der Bauindustrie dient…

Interessant wird es, wenn andere Branchen die Idee aufnehmen. Sony und Microsoft haben ja auch das Problem, dass ihre Kundschaft so gerne noch mehr Konsolen und Spiele kaufen würde, aber das Taschengeld-Konto abgeräumt ist. Wie wäre es mit einem Gesetz für eine Mindest-Zuwendung an den Nachwuchs? Mit der Erhöhung der Branntweinsteuer könnte man zu gegebener Zeit ja die Umleitung des Bahn-Erlöses gegenfinanzieren. Ein weites Feld von möglichen Finanzierungen aller Art tut sich auf.

Bei alledem muss man auch den Mut Knippers bewundern. Nach Lage der Dinge droht ja nun der Ausschluss aus dem ADAC. Denn der kennt bei so etwas noch weniger Spaß als die SPD. Aber Vertrieb fordert manchmal eben Opfer.

Stefan Preuß

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