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Es mag sein, daß ein Teil der negativen Nachrichten tatsächlich in den Kursen eingepreist ist, zumindest für den deutschen Aktienmarkt kann man das halbwegs stehen lassen. Die Kurse werden aber nun mal in den Staaten gemacht, und der Dax ist nicht viel mehr als ein Anhängsel im Wirkungskreis der Wall Street.

Die Prognosen zum Jahreswechsel kann man sich getrost schenken. Wie meistens, möchte man meinen. Die bislang vorgelegten Quartalszahlen (vielmehr die Ausblicke) von einstigen Lieblingen wie Microsoft, Intel, IBM, Infineon und diversen anderen sprechen eine deutliche Sprache. Null Sichtweite und vor allem kaum Besserung in Sicht. Wir sind kein Jota weiter als exakt vor einem Jahr.

Und genau wie damals wurde der Markt und die Masse von der Hoffnung genährt, daß die US-Wirtschaft ihren Wachstumspfad zurückfindet. Mit den geschönten Statistiken kann man zumindest eine bessere Wirtschaftsperformance gegenüber Europa konstatieren, doch der Eindruck täuscht. Da die Ungleichgewichte in den USA weit größer sind als hierzulande und zudem die Exzesse der Jahre 1995 bis 2000 (sowohl in der Wirtschaft als auch vor allem an der Börse) bei weitem nicht begradigt sind, muß die Entwicklung um so prägnanter sein.

Wenn in diesem Jahr Unternehmen hüben oder drüben Gewinnsteigerungen herauspressen können, dann fast ausschließlich aufgrund von Rationalisierungen. Doch die Ausgaben des einen Unternehmens sind die Einnahmen des anderen. In der Summe wird noch mehr gespart. Bei Unternehmen wie Privatpersonen. Wer arbeitslos ist oder es bald sein könnte, der konsumiert weniger (es sei denn er wird patriotisch gemaßregelt wie in den USA). Wenn man die Summe der Wirtschaftsnachrichten zusammenfaßt (egal ob Deutschland oder USA), so stimmt deren Richtung überhaupt nicht mit den bis dato propagierten optimistischen Weissagungen überein.

Einzelne positive Nachrichten, die ins Bild passen, werden immer wieder herausgepickt und überinterpretiert. Es ist nicht schwer vorherzusagen, daß der Dow beim nächsten Mal, wenn z.B. die geschönte Arbeitsmarktstatistik auch nur ein Zehntel Prozentpunkt besser als prognostiziert ausfallen sollte, um meinetwegen 300 oder 400 Zähler steigt. Und die Hoffnung hat wieder etwas Nahrung bekommen. So wie im letzten Jahr auch schon.

Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.