Das Engagement der Kuwaitis bei DaimlerChrysler besteht schon seit langem, jetzt hat die Dubai Holding ein milliardenschweres Paket am Konzern erstanden. Hatte sich Jürgen Schrempp in der Vergangenheit während der Hauptversammlungen mitunter massiver Kritik stellen müssen, sucht der neue Investor demonstrativ den Schulterschluß mit dem Management: Man werde nun die Früchte weiser Unternehmensentscheidungen, namentlich der Fusion mit Chrysler, ernten.

Auch andernorts wird nicht mit Lob für deutsche Unternehmen gespart. Johannes Huth, Europachef der Private Equity-Firma KKR, sieht hohe Innovationskraft, hoch qualifizierte Arbeitnehmer und sehr wettbewerbsfähige Produkte in Deutschland beheimatet. Ähnlich äußerten sich auch andere Investoren in den vergangenen Wochen.

Solche Äußerungen sind mehr als nur mit Höflichkeit angereicherte Begründungen bereits getätigter Engagements in bundesdeutsche Unternehmen. Hier ist ein Trend im Gange, der aus der Binnensicht der Nörgler, Bedenkenträger und sonstigen Miesepeter nicht sofort zu erkennen ist: Der Standort Deutschland wird in der Welt als durchaus zukunftsträchtig eingeschätzt. Das ist nicht wahnsinnig überraschend, denn der Rekordüberschuß im Außenhandel entsteht ja nicht zufällig. Daß internationale Investment-Gesellschaften gerne deutsche Ex-Manager wie Thomas Middelhoff anheuern, unterstreicht den Trend: Man setzt auch auf lokales Know-how und Beziehungen.

Da der große Trend nicht nur der Freund der Mega-Investoren ist, sondern auch des Kleinanlegers, sollten jene darüber nachdenken, sich diese Entwicklung zunutze zu machen: Derzeit spricht vieles dafür, deutsche Titel überzugewichten. Übernahmespekulationen winken, allgemein bessere Performance durch höhere Nachfrage und natürlich auch tendenziell erhöhte Dividenden, da gerade Substanzinvestoren entsprechenden Druck auf die Vorstände ausüben. Dabei muß das Interesse keineswegs auf die erste Reihe beschränkt bleiben. Firmen mit hervorragenden Weltmarktstellungen aus der zweiten Reihe wie zum Beispiel Drägerwerk, Jenoptik, Boss, Funkwerk oder Beiersdorf besitzen dank ihrer Produkte hohen Bekanntheitsgrad und müssen auf den Kurszetteln nicht erst noch entdeckt werden.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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