Die Aktion paßt zum üblichen Muster des rosa Riesen: Es wird viel Geld für teure Streuverluste bei gleichzeitig zweifelhaftem Restnutzen ausgegeben. Wie soll der Durchschnitts-Zeitungsleser auf die pinkfarbene Attacke reagieren? Dem Bund ein Kaufangebot für seine 43 % DTAG-Aktien machen? Den nächsten greifbaren "politisch Verantwortlichen", der schließlich Empfänger des offenen Briefes ist, auf die Problematik ansprechen und der Forderung persönlich und wortgewaltig Nachdruck verleihen? "Ich wähle Sie nicht, wenn Sie nicht sofort Ihre schädliche Einflußnahme auf die Deutsche Telekom AG abstellen!"

Während das zeitgleiche Aufjaulen der Deutschen Post eher unternehmensstrategisches Gewicht hat, denn schließlich wird mit dem Briefporto einer der wichtigsten Geldhähne ein Stückchen weit zugedreht, so ist die Telekom-Aktion ausweislich des Anzeigentextes von Teilen der Belegschaft initiiert. Wer bezahlt die Aktion? Wieder einmal der Aktionär, der an den PR-verursachten Abgang zweistelliger Millionenbeträge aus dem Eigentum seines Unternehmens bereits gewöhnt ist? Bezahlt wird, so ein Unternehmenssprecher, "aus dem Topf der Mitarbeiterkommunikation". Ein Schelm, wer eine Subventionsmaßnahme für den darniederliegenden Werbemarkt vermutet.

An sich kann man die Intention unterstützen: Politik und Staatsapparat mögen bitte Großunternehmen nicht als Bühne für Muskelspiele benutzen. Doch wo sollen Politiker künftig gut sichtbar Arbeitsplätze retten gehen? Wie will man sich pünktlich zur Wahl als Interessenvertreter einiger Millionen Kleinaktionäre aufspielen, denen man wenige Monate zuvor durch Gesetzesänderungen (Squeeze-out-Regelung, Wertpapierübernahmegesetz) de facto den Krieg erklärt hat?

Der Einfluß der Politik wird so schnell nicht abzustellen sein. Bei der ehemaligen Telefonabteilung der Deutschen Bundespost, die kürzlich noch Teil des Staates mit eigenem Ministerium war und nach wie vor stark mit ihrem Großaktionär verflochten ist (z.B. als Steuer- und Sozialversicherungszahler, UMTS-Lizenznehmer etc.) nimmt es nicht wunder, wenn die Entflechtung etwas länger dauert. Vor allem dann, wenn der Exit-Kanal Börse bis auf weiteres geschlossen ist.

Die Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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