„Der Zins kennt keine Pause. Er arbeitet auch nachts und an Sonntagen. Sogar an Regentagen.“
Benjamin Franklin (1706-1790), amerikanischer Naturwissenschaftler und Politiker

„Die größte Erfindung des menschlichen Denkens – der Zinseszins.“
Albert Einstein (1879-1955), deutscher Physiker

Sowohl Albert Einstein als auch Benjamin Franklin bezeichneten ihn als eine grandiose Erfindung des menschlichen Geistes. Doch wie die Rechnung mit dem sogenannten Josephs-Pfennig zeigt, kann es auf lange Sicht – gemeint sind ein paar hundert Jahre – gar keine positive Rendite geben. Irgendwo findet der Zinseszins sein natürliches Ende. Das hängt mit den endlichen Ressourcen auf dieser unserer Erde zusammen. Eine Unze Gold angelegt und zu 2 % jährlich verzinst würde schon nach weniger als 1.000 Jahren sämtliche Vermögenswerte dieser Welt haushoch übersteigen. Das stempelt den Zins zu einer wahrhaft menschlichen „Erfindung“.

„Mit drei Prozent Zinsen versucht die Bank mein Kapital zu beleidigen.“
Werner Mitsch (*1936), deutscher Aphoristiker

„Der moderne Mensch betrachtet Geld als ein Mittel, zu mehr Geld zu kommen.“
Bertrand Russell (1872-1970), britischer Mathematiker und Philosoph

„Für alles im Leben muß man bezahlen. Und je später man es tut, desto höher werden die Zinsen.“
John Ernst Steinbeck (1902-1968), amerikanischer Schriftsteller

„Jede Gesetzgebung, die den Zins erlaubt, ist null und nichtig.“
Papst Alexander III (1105-1181)

Es gibt auch Religionen, die das Verlangen von Zinsen kategorisch verbieten. Moralische Gründe spielen hierbei eine Rolle. So lag seinerzeit nicht nur Papst Alexander III als Vertreter der nicht-weltlichen Fraktion im Clinch mit weltlichen Machthabern, die die Vereinnahmung eines Zinses erlaubten. Unterschieden werden muß nämlich zwischen Geld aus Geld und Geld aus Arbeit. Viele Menschen machen auch heute noch ganz instinktiv einen Unterschied zwischen diesen beiden Einkommensarten. Da auch der Staat nichts anderes tut (ein Blick in die Steuererklärung dürfte ausreichen), muß diese Frage sogar immer wieder mal vor dem Verfassungsgericht erörtert werden. Geld aus Geld zu schöpfen ist einfach bequemer und so schön einfach: Man sagt ja auch, daß dort, wo schon Geld ist, noch mehr ganz automatisch hinzukommt. Der Zinseffekt wird es schon richten.

„Rüstung bedeutet ökonomischen Abzug zinsdrückenden Kapitals vom Markt. Und da die Rüstungsindustrie nicht für den Markt produziert, bedeutet Rüstung die Trockenlegung zinsbedrohender Kapitalüberschüsse auf Kosten der Steuerzahler.“
Hans F. Telos (*1966)

Keine Wette war in den vergangenen Jahrhunderten sicherer zu gewinnen, als daß mit Kriegen gute Geschäfte zu machen sind, vorausgesetzt, man weiß wie. Die Rüstungsindustrie produziert und produziert, und irgendwann will sie ihre Innovationen auch mal unter realen Bedingungen eingesetzt sehen. Sie gewinnt so oder so: Entweder werden alte Bestände in Form von Kriegen immer wieder zerstört (oftmals dienen Einsätze auch für Tests von Innovationen), oder aber sie kann den Machthabenden einreden, daß älteres Material unbedingt durch neues ersetzt werden müsse – die Anschaffung von mehreren Dutzend Großraumflugzeugen für die Bundeswehr wäre hier ein Beispiel, obwohl schon die bestehenden Luftfrachter größtenteils nur rumstanden. Ist erst einmal altes Material vernichtet, muß es nicht nur substituiert werden, auch zerstörte Infrastruktur gehört repariert. Die Besetzung des Iraks durch die USA ist ein Paradebeispiel. Die Summen, die angesichts dieses Abenteuers in Richtung Irak und Wiederaufbau abfließen, gehen in die Hunderte Milliarden. Da aber viele Investitionen vom Staat getragen werden, bezahlt letztlich der Steuerzahler. Wenn sich die amerikanische Bevölkerung bewußt wäre, daß daheim die Grundschule aus Geldmangel verfällt, während das US-Haushaltsbudget rund 100 Mrd. US-$ für den Wiederaufbau des Irak vorsieht, wäre die Zustimmung für derlei Eskapaden sicherlich noch etwas geringer.

Diesen Beitrag können Sie auch im aktuellen Smart Investor Magazin 6/2004 nachlesen, das am 29. Mai erschienen ist.

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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