Seltsam: Unternehmen widmen sich trotz der Krise der Wirtschaftsethik, der Verantwortung für Mitarbeiter, dem Klimaschutz, dem Recycling und nachwachsenden Rohstoffen. Jene, die vermutet hatten, dass CSR und Nachhaltigkeit reine Schönwetterthemen sind, wurden überrascht. Denn die meisten Unternehmen, die bereits vor der Krise CSR betrieben haben, haben auch in den beiden vergangenen Jahren daran festgehalten. So hat etwa die Palfinger AG Anfang 2010 – im gewohnten Zweijahres-Rhythmus – wieder einen Nachhaltigkeitsbericht publiziert. Andere führende österreichische Unternehmen haben sogar bewusst mitten in der Krise einen ersten CSR-Report erstellt. Obwohl die Baubranche stark unter den Einbrüchen gelitten hatte, brachte beispielsweise die Wienerberger AG ihren ersten Nachhaltigkeitsbericht gemeinsam mit dem Geschäftsbericht für das durchwachsene Jahr 2009 heraus. Der wirtschaftliche Jahresbericht titelte: „Diesen Geschäftsbericht hätten wir uns gerne erspart.“ Am CSR-Bericht hingegen stand: „Diesen Nachhaltigkeitsbericht wollten wir uns nicht ersparen.“ Alleine die Titel sprechen Bände.

Natürlich gibt es Unkenrufe. Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz sei das CSR-Engagement der Unternehmen immer noch hinten nach. In einer aktuellen Studie zeigt Ernst und Young auf, dass in Deutschland 80% der Top-100-Unternehmen Non-financial-Reporting betreiben. In Österreich sind es nur 20% der 110 größten Unternehmen. PwC legt nach: Ihre Untersuchung ergibt, dass auch die Transparenz der publizierten Berichte in Deutschland und der Schweiz besser sei. Wie auch immer: Österreich schläft nicht. Jedes Jahr werden mehr und bessere Reports beim Austrian Sustainability Report eingereicht. Und die österreichische CSR-Unternehmensplattform respACT vermeldet in jedem ihrer Newsletter eine Reihe neuer Mitglieder. Für ein Land mit wenigen großen Konzernen ist das eine beachtliche Dynamik.

Was also bringt Nachhaltigkeit? Empirisch sind CSR-Unternehmen mittelfristig stabiler und erfolgreicher. Das zeigt sich nicht nur an internationalen Kursentwicklungen, sondern auch am VÖNIX, dem Index für die nachhaltigsten Unternehmen an der österreichischen Börse. Der VÖNIX performt deutlich besser als der ATX-Prime, auch seine Volatilität ist geringer. In einem Nachhaltigkeitsindex gelistet zu sein, gehört inzwischen zum guten Ton.

In Anbetracht der Wirtschaftskrise fragt man: Können wir uns mit Nachhaltigkeit wie Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen? Wunder wirkt CSR nicht. Aber es ist Teil eines guten Managements, das Effizienz bringt. Und mehr noch: Produkte werden durch Nachhaltigkeit immer ökologischer. Das zeigt sich nicht nur bei Markenartikeln, sondern auch etwa bei Palfinger, wo die E-Mobilität inzwischen zu elektrisch betriebenen LKW-Ladebordwänden inspirierte. Und während andere noch jammern, dass die Kunden beim Kauf der Produkte auf Umweltschutz noch viel zu wenig Wert legen, stellen wir unseren Einkauf und unsere Lieferanten bereits um – damit nachhaltige Produkte am Markt gestärkt werden.

Egal ob am Kapital-, am Produkt- oder am Personalmarkt: Nachhaltigkeit ist ein tiefgreifender Trend, der erstaunlich unbeeindruckt von der Wirtschaftskrise beständig fortschreitet. Das ist die gute Nachricht.

Von Hannes Roither, Konzernsprecher, Palfinger AG

Ursprünglich erschienen im Österreich Special 2011.