In verschiedenen Artikeln in großen Zeitungen wurden in den letzten Wochen wunderliche Dinge über den Dax berichtet. So besitze der Dax beispielsweise einen „Cashsockel“, gespeist aus Dividenden vergangener Jahre, der verhindere, dass der Index unter einen bestimmten Wert sinkt. Oder es gebe einen „Kurspuffer“, der Ähnliches bewirken würde.

Um das abzuklären, ist es zunächst wichtig, den Unterschied eines Kurs- zu einem Performanceindex aufzuzeigen. Der Dow Jones beispielsweise ist ein Kursindex, der ausschließlich das Kursniveau der ihm zugrundeliegenden Gesellschaften widerspiegelt. Der Dax hingegen ist ein Performanceindex, der zusätzlich die gezahlten Dividenden sowie Kapitalmaßnahmen (v.a. unterstellte Bezugsrechtserlöse) berücksichtigt. Konkret werden hierzu alle gezahlten Dividenden und hypothetische Bezugsrechtserlöse in einen „Multiplikator“ übernommen, der bewirkt, dass der Index höher steht als ohne diese Dividendenzahlungen.

Der Dax ist damit so etwas wie ein Zinseszinsindex, denn die Erträge jeder Aktie werden im Index rein rechnerisch in dieser Aktie wieder angelegt. Durch die Dividenden steigt dieser Index schneller als ein normaler Kursindex und fällt in einer Krise nicht so weit zurück. Wir haben dies am Vergleich des Dow und des Dax in der Finanzkrise deutlich sehen können. Der Zuwachs, den der Dax genommen hat von seinem Start bei 1.000 Punkten im Jahr 1987 bis zu den 4.000 Punkten von heute, lässt in etwa folgendermaßen aufteilen: Von den 3.000 Punkten Gewinn gehen grob gesprochen 40 % auf die Dividendenzahlungen zurück und 60 % auf Kursgewinne.

Man sollte also durchaus den Performance-Index dem Kursindex vorziehen, wenn man die Wahl hat. Im Grunde genommen bildet der Performance-Index somit detailgenau das Ergebnis ab, was auch der Anleger erzielt hätte, wenn er die dem Index zugrundeliegenden Aktien gekauft hätte. Mit zwei Unterschieden jedoch:

(1) Der Direktanleger in Aktien wird seine Dividenden in den seltensten Fällen sofort in die Aktien reinvestieren und baut damit den schon angesprochenen „Cashsockel“ auf. Dieser Sockel gilt also nur für das Einzelengagement, nicht für den Indexkauf.

Nichts desto Trotz besitzt auch der Dax einen „Puffer“ nach unten, wenn man ihn nur lange genug hält und somit in Form von zusätzlichen Indexpunkten Dividenden einstreicht. Da diese rechnerisch sofort wiederangelegt werden, wird der Dax in der Regel in haussierenden Märkten schneller steigen als die Direktanlage, in Baissen aber auch schneller fallen.

(2) Während der Direktanleger seine Dividenden jeweils sofort versteuern muss, gibt es eine analoge Steuerpflicht beim Dax hier nicht. Wer den Index noch im alten Jahr 2008 gekauft hat, wird somit auf Lebenszeit beim Verkauf seines Indexzertifikats oder Dax-ETF sämtliche Dividenden steuerfrei vereinnahmen dürfen. Aber selbst wer jetzt erst kauft, erhält mit dem Dax zumindest einen Steuerkredit. Denn seine Dividenden müssen nicht sofort besteuert werden wie beim Direktanleger, was dessen Wiederanlagesumme so weit schmälert, dass das Dax-Ergebnis von ihm schon rein rechnerisch nicht mehr erzielt werden kann, sondern fallen erst beim Verkauf (in Form eines höheren Dax-Standes) der Differenzbesteuerung bei der Abgeltungssteuer an.

Bernd Niquet

Die GoingPublic Kolumne ist ein Service des GoingPublic Magazins, Deutschlands großem Kapitalmarktmagazin. Bezogen werden kann das Magazin unter www.goingpublic.de. GoingPublic ist allein für die Inhalte der Kolumne verantwortlich. Informationen zu einzelnen Unternehmen stellen keine Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Aktien dar. Die Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.