Erst wurde der Deutsche/Dresdner-Deal in den Sand gesetzt, und nun ist auch die Commerzbank/Dresdner Fusion geplatzt! HA HA HA! Stümperhaft und peinlich, wie sonst soll man diesen Affentanz der Möchtegerne umschreiben?

Wie die Commerzbank am heutigen Mittwoch bekanntgab, sind die Fusionsverhandlungen mit der Dresdner Bank am Ende. Die Banken wurden sich im Übernahmepoker nicht über die relativen Bewertungen einig. Während die Dresdner Bank für eine 60:40 Gewichtung zu ihren Gunsten plädierte, wollte die Commerzbank näher an die 50:50. Das faire Verhältnis auf Basis der Marktkapitalisierung liegt etwa bei 56:44 für die Dresdner. Besonders die Allianz, die 22 % der Dresdner-Anteile hält, drängte auf die stärkere Gewichtung der Dresdner. Ganz wie es im Falle Deutsche/Dresdner gewesen wäre, wollte die Allianz auch in diesem Deal wieder als heimlicher Sieger hervorgehen.

Es haperte also am kleinen Einmaleins der Investmentbranche. Die Commerzbank schrieb das Scheitern in einer Pressemeldung der „Komplexität des Themas“ zu. „Guys, wenn euch das Thema zu komplex ist, dann laßt halt die Finger weg vom Investmentbanking!“ möchte man sagen. Auch Goldman Sachs und Morgan Stanley haben sich ein blaues Auge geholt – die beiden Investmentbanken standen den Fusionsgesprächen als Berater bei.

Von vornherein erschien der Deal als Verlegenheitslösung – die Vorteile eines Zusammenschlusses waren noch weniger offenkundig als im Falle Deutsche/Dresdner. „Martin Kohlhaussen, Sprecher des Vorstands der Commerzbank AG, bedauerte, daß offenbar ein wirklicher Mehrwert einer Fusion nicht zu erreichen ist und damit die Chance zu einer Konsolidierung im inländischen Bankensektor nicht realisiert werden kann“, so eine Pressemitteilung der Commerzbank. Kritiker des Deals haben schon von vornherein auf das mangelnde Wertschöpfungspotential hingewiesen. Der Markt gab ihnen recht. Die Commerzbank-Aktie ist seit der Ankündigung der Gespräche stark unter Druck geraten.

In Zukunft wolle man wieder aus „eigener Kraft“ weiter wachsen, sinnierte Kohlhaussen weiter. In Wahrheit dürfte es nun eher so aussehen, daß die Commerzbank an eine internationale Institution verkauft wird – so wie es die Investorengruppe CoBra ohnehin wollte. Von Seiten der Dresdner Bank hieß es, man wolle den Kurs als „europäische Beraterbank“ fortsetzen. Auch die Dresdner Bank wird sich allerdings nach neuen Partnern umsehen müssen. Auch hier erscheint ein Verkauf an eine internationale Bank nun am wahrscheinlichsten. Schließlich wird nur ein größerer Partner willens sein, der Allianz das gewünschte Premium zu zahlen.

Den „Merger of Equals“, den die Commerzbank so gerne wollte, wird es auch in Zukunft kaum geben. Es könnte sein, daß die viertgrößte deutsche Bank sich eines Tages noch reuevoll an den heutigen Tag zurücksehnt. Fest steht, was das Image von Commerzbank und Dresdner Bank angeht, so hätte es nicht viel schlimmer kommen können. International macht man sich schon über die „Global Player“ aus Deutschland lustig.

Märchen enden meist mit der Hochzeit, mit der Hochzeit aber meist auch das Märchen. Für Commerzbank und Dresdner Bank ist die Zeit der Illusionen sogar schon vorher vorbei.

Chancen gab es schließlich genug. Wehe dem, der sie nicht nutzte.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

 

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