Das Jahrhundert der Biologie hat begonnen. Wir blicken in unser Innerstes und beginnen zu verstehen, was dort passiert. Tagtäglich werden neue Gene entschlüsselt und Krankheiten, die bisher als unheilbar galten, aufgeklärt. Die Genomforschung ermöglicht es, erstmals die Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen auf molekularer Ebene zu entdecken. Daraus lassen sich neue, maßgeschneiderte Medikamente entwickeln. In Zukunft wird der Arzt, bevor er ein Medikament verschreibt, einen Gentest durchführen. Dafür benötigt er lediglich einen kleinen Tropfen Blut, der auf einen Genchip aufgetropft wird. Über eine Online-Verbindung mit dem Internet vergleicht ein Computer die gemessenen Werte mit denen weltweiter Datenbanken im Internet. Das Ergebnis wird dann an den Computer in der Arztpraxis übermittelt. Der Arzt kann nun das Medikament und die richtige Dosierung heraussuchen und an den Patient verschreiben. Fiktion? Noch!

Einige Biotechnologie-Unternehmen betreiben bereits Datenbanken, in welchen solche Unterschiede genau erfaßt werden. Bis zur Anwendung am Patienten werden nur noch wenige Jahre vergehen. Auch ist heute schon denkbar, daß Medizintechnik-Unternehmen, Betreiber von e-Health-Portalen, Hersteller von Patientenmanagementsystemen und Biotechnologie-Unternehmen Allianzen eingehen, um diese Bereiche miteinander zu vernetzen. Man stelle sich vor, GeneScan fusioniere mit LION Bioscience und MediGene. Welch ein Potential! Der nächste Schritt wäre dann zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit Nokia, um portable Internet-vernetzte Analysegeräte zu entwickeln. Eine Diagnose wäre so innerhalb weniger Minuten außerhalb der Arztpraxis möglich.

Schon heute ist das Interesse von Hard- und Softwareherstellern am Biotechnologiesektor sehr groß. Beispielsweise drängt Motorola in den Biochipsektor, Oracle verknüpft über Datenbanken große, weltweite Biotech Projekte. IBM beteiligt sich mit zehn weiteren Unternehmen aus der Biotechnologie- und Pharmabranche am SNP Konsortium (Anm. d. Red.: SNP, Single Nucleotide Polymorphism = Austausch eines kleinen Genbausteins). Dieses Projekt hat die Kartierung genetischer Unterschiede zwischen einzelnen Menschen zur Aufgabe. Auch gab IBM bereits bekannt, einen „Blue Gene“ genannten Supercomputer für 100 Mio. US-$ zu bauen, der die Eiweißstoffe des Menschen untersuchen soll. Vielleicht werden ja eines Tages sogar Produkte von Microsoft im Patientenmanagement verwendet. Große Softwarehersteller könnten dazu veranlaßt werden, Bioinformatik-Unternehmen zu kaufen. Der nächste Schritt wäre eine Allianz mit Biotechnologie- oder Pharma-Unternehmen. Vielleicht eröffnet das Internet eines Tages die Möglichkeit, nur noch virtuell, also aufgrund im Internet existierender Daten, zu forschen. So könnten eines Tages Internetfirmen Biotechnologie betreiben. Vielleicht werden bald die Wachstumswerte der Zukunft, die „Bionet-Aktien“, an den weltweiten Börsenplätzen gehandelt.

Ein digitales Ebenbild von jedem von uns könnte im Internet existieren, anhand dessen der Arzt zukünftig auftretende Krankheiten erkennt. Das würde der Pharmaindustrie erleichtern, Marktprognosen zu erstellen. Diese Daten ließen sich mit Informationen zur zunehmenden Umweltzerstörung vernetzen, sodaß diejenigen, die besonders anfällig für Hautkrebs sind, bereits beim Surfen im Internet eine individualisierte Werbung für Sonnencremes auf ihren Bildschirm erhalten. Ob das jedoch von der Mehrheit erwünscht ist, wird sich zeigen. Die Gesellschaft wird auf demokratische Weise darüber entscheiden.

Was heute noch Fiktion ist, könnte morgen jedoch bereits Realität werden: Investitionschancen und Anlagemöglichkeiten, um an der Zukunft teilzuhaben, inbegriffen.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.