Der Euro, wachsweich wie Butter und nur ein Schatten der guten, alten D-Mark. Vor der Einführung der Gemeinschaftswährung mangelte es nicht an warnenden Einschätzungen, die Szenarien bisweilen apokalyptischen Ausmaßes durchspielten. Ein Euro-Kurs von 1,60 USD kam in keinem Szenario vor. So ist das mit den Expertenmeinungen, auch und gerade bei Währungseinschätzungen.

Auch wenn nicht alle Unternehmen in allen Branchen stöhnen, sondern sich viele über die stetig fallenden Beschaffungspreise freuen, belastet der hohe Eurokurs zunehmend das Wirtschaftswachstum durch die dämpfenden Einflüsse auf den Export. EZB-Präsident Trichet findet die Währungsrelationen so nicht wünschenswert – aber was tun, wenn Zinssenkungen wegen der anziehenden Inflation nicht möglich sind? Gut, dass auf unsere italienischen Freunde Verlass ist. Die haben mal wieder bewiesen, dass sich Geschichte doch wiederholt, und Silvio Berlusconi erneut zum Regierungschef gewählt. In Zeiten des zu starken Euro ist das eine ausgesprochen gute Nachricht.

Bella Italia ist ja seit längerem wachstumsmäßig das Sorgenkind der EU, und wenn jemand einen Track Record in Staatsverschuldung, Defizitgrenzen-Missachtung und Untergrabung der Währungsstabilität besitzt, dann Berlusconi. Unterstützt wird er dabei nach Kräften von seinem französischen Amtskollegen Nicolas Sarkozy, der dem Vernehmen nach zwischen zwei Hormonausschüttungen nur rudimentär zum Regieren kommt – was der Reformen harrenden französischen Wirtschaft auch nicht eben zuträglich ist.

Wenn der Wert einer Währung also tatsächlich etwas mit der dahinter stehenden Summe der Realwirtschaften zu tun hat – und nicht nur ein Produkt aus Gerüchten, Futures, Swaps und Spekulationen ist – stehen die Chancen auf ein Ende des Höhenflugs nicht schlecht. Die mediterranen Blues-Brothers werden den einen oder anderen Devisenhändler schon ins Grübeln bringen.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne ist ein Service des GoingPublic Magazins, Deutschlands großem Kapitalmarktmagazin. Bezogen werden kann das Magazin unter www.goingpublic.de. GoingPublic ist allein für die Inhalte der Kolumne verantwortlich. Informationen zu einzelnen Unternehmen stellen keine Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Aktien dar. Die Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.