Werbung

Bertolt Brecht bemerkte einst, dass es vom moralischen Standpunkt her keinen Unterschied mache, ob man eine Bank eröffnet oder überfällt. Angesichts des bemitleidenswerten Zustandes vieler Institute und deren Ex- oder Noch-Vorstandschefs verbietet sich aktuell zu viel Zynismus, aber alle Bankräuber dieser Welt hätten nicht so viel Schaden anrichten können wie die Jongleure diverser Finanzvehikel.

Normalerweise gilt  in der aktuellen Situation ja der Spruch des „never catch a falling knife“ – wenn da nicht ein gewisser Herr Warren Buffett und andere Gurus hinreichend beherzt zugegriffen hätten und gerüchteweise im Begriff sind, weiter zuzugreifen. Schlägt bereits die Stunde der Antizykliker? Oder war der auch Orakel von Ohama genannte Starinvestor dieses Mal etwas früh dran? Aktien werden im Allgemeinen nur gehandelt, weil es zwei unterschiedliche Meinungen gibt: Der Verkäufer erwartet sich nichts mehr vom Anteil, während der Käufer das anders sieht und auf Kursgewinne hofft.

Im Falle von Banktiteln divergieren die Meinungen derzeit extrem: Viele Experten sehen den Kursverfall noch immer erst am Anfang, weil Zweit- und Drittrundeneffekte Kredite, die heute noch als werthaltig angesehen werden, noch kippen lassen würden, während andere das Schlimmste bereits hinter uns wähnen – und im Zweifelsfalle auf die Notenbanken und praktisch unbegrenzte Liquidität setzen.

Buffett und die diversen Staatsfonds, die nun namhafte Investments im Bankensektor getätigt haben, sitzen auf unvorstellbaren Mitteln, die der Anlage harren. Berkshire Hathaway etwa verfügt aktuell über 40 Milliarden USD an Liquidität. Banktitel oder nicht Banktitel – das ist hier die Frage. Bleibt nur ein Trost: Manchmal kann es durchaus entspannend sein, nicht 40 Milliarden zu besitzen, die der möglichst zeitnahen Anlage harren.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne ist ein Service des GoingPublic Magazins, Deutschlands großem Kapitalmarktmagazin. Bezogen werden kann das Magazin unter www.goingpublic.de. GoingPublic ist allein für die Inhalte der Kolumne verantwortlich. Informationen zu einzelnen Unternehmen stellen keine Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Aktien dar. Die Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.