Dr. Matthias Bextermöller, Geschäftsführer, Berichtsmanufaktur GmbH

Der Kapitalfluss der Wirtschaftswelt ist ins Stocken geraten: Das Vertrauen der Marktteilnehmer ist gering, die Nervosität hoch. Daran ändert auch die zweifellos immer besser gewordene Finanzkommunikation nicht viel – trotz gestiegener Transparenz, trotz besserer Vergleichbarkeit, trotz erhöhter Verbreitung etwa durch die digitalen Medien. Warum ist das so? Muss das so bleiben?

Transparenz ist gut – Intransparenz aber auch

Gerade zehn Jahre ist es her, da haben wir uns aufgemacht zur internationalen Transparenzoffensive. Na klar: Wer weltweit Geschäfte machte, musste mit seinen Zahlen international überzeugen können. Vergleichbar musste die Transparenz sein und anglo-amerikanisch – was für die Buchhalter in Deutschland bedeutete, dass sie ihre Rechnungslegung um verdeckte Reserven auflösen mussten. So haben wir heute den „Fair Value“ und können allen Interessierten eine präzise Auskunft darüber geben, wie viel unser Unternehmen zum Stichtag wert ist. Und doch denkt so mancher heute: „Schade, wie wäre es doch schön, wenn man die Umfeldnervosität mit ein wenig finanzieller Glättungsspielmasse in der Bilanz beruhigen könnte.“

Und Instrumente zur Beruhigung sind nötig: Denn das Tempo der Wirtschaftsakteure hat sich deutlich erhöht. So passiert es allerorts, dass noch während wir erklären, wie ein Wert zu verstehen ist, sich neue Umstände einstellen, die das gerade Geschriebene veralten lassen.

Grundsatzthemen: mindestens genauso wichtig wie die Zahlen

Was ist zu tun? Nicht mehr schreiben? Oder doch, aber mit noch mehr Allgemeinplätzen? Ein Weg ist, die Zahlen in einen größeren Kontext zu stellen und dabei gleichzeitig die Aufmerksamkeit wieder stärker auf die grundlegenden Themen zu richten – solche, die sich von den zitternden Konjunkturkurven ihrer Natur nach abkoppeln. Wenn wir heute über CSR sprechen und sogenannte „nichtfinanzielle Leistungsfaktoren“, sind wir schon auf einem guten Pfad. Nicht, weil diese Themen gerade Mode sind, sondern weil ihre schlüssigen Erläuterungen dem Leser wichtige Signale für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens liefern. Und eben darum geht es heute: zu zeigen, dass ein Unternehmen auch bei Sturm voraussichtlich fest steht.

Im Zuge dessen werden wir unsere Zahlen zukünftig wieder stärker mit dem Geschäftsmodell verknüpfen. Wenn ein Unternehmen glaubhaft ausführt: „Kupfer ist ein begrenzter und damit wertvoller Rohstoff und die Marktnachfrage wird mit der industriellen Entwicklung zwangsläufig wachsen“, dann hat der Anleger auch in einer schwierigen Marktphase einen guten Grund, dem Unternehmen treu zu bleiben. Denn er weiß inzwischen: Die objektiven Zahlen für sich sind nur ein kleiner Teil der Wahrheit.

Wider dem Mainstream: besser der eigene Weg

Dank der LACP- und ARC-Wettbewerbe wissen wir, dass wir mit unseren deutschen Berichten im internationalen Vergleich hoffähig sind. Wir haben sogar dazugelernt: Zum Beispiel, dass der Köder dem Fisch schmecken muss – auch wenn wir manchmal noch meinen, mit letzterem sei der eigene Vorstand gemeint. Mutiger sind wir auch. Ein wenig zumindest. So lassen wir einen Vorstand schon einmal verspielt durch ein Sichtfenster der Vorgängerseite schauen. Gleichwohl bewegt sich alles noch immer im sicheren Umfeld der Konvention. Dass unsere Berichte international weit überdurchschnittlich abschneiden, liegt vor allem an der deutschen Akkuratesse bei der handwerklichen Ausführung.

Um das (echte) Interesse der Leser zu gewinnen, benötigen unsere Geschäftsberichte dringend mehr Individualität. Wenn ein Report bereits auf den ersten Blick erkennen lässt, welche Agentur die Erstellung begleitet hat, stimmt etwas nicht. Denn es geht um das Unternehmen. Gleiches gilt für die Inhalte: Der Lagebericht eines Beteiligungsunternehmens erfordert für die sinnvolle Erläuterung seines Erfolgs einen anderen Aufbau und andere Schwerpunkte als der Lagebericht einer produzierenden Firma. Das Aufbauraster des DRSC oder der „Baetge-Kriterienkatalog“ können – und wollen übrigens auch – nur ein Orientierungsrahmen sein, keine Vorgabe.

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