Das erst seit kurzem am Neuen Markt notierte Unternehmen beschäftigt sich mit Data Storage-Systemen und wird gerne als „deutsche EMC“ bezeichnet. Bis dahin ist es sicherlich noch ein sehr weiter Weg. Dennoch konnte die ArtStor-Story die Anleger am Neuen Markt zunächst begeistern. Bereits kurz nach der Emission schossen die Aktien von 12 Euro auf annähernd 40 Euro nach oben – zu Spitzenzeiten lag der Börsenwert bei 270 Mio. Euro.

Als das Hamburger Unternehmen am späten Montag Nachmittag die Zahlen für das erste Halbjahr bekannt gab, verloren die Aktien bereits im späten Börsenhandel leicht. Am Dienstag ging es dann richtig bergab – ArtStor verlor über 20 % an Börsenwert. Alles in allem hat die Korrektur der letzten Tage den Börsenwert des Unternehmens auf 105 Mio. Euro gedrückt. Dies entspricht einem 2001er KUV von 2,5.

Was war so verheerend an den Halbjahreszahlen von ArtStor? Das Unternehmen hatte gemeldet, der Umsatz läge im ersten Halbjahr 2000 bei rund 6 Mio. Euro und damit nur 6 % über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Für ein Unternehmen wie ArtStor, das in einem Markt aktiv ist, der mit 80 % und mehr pro Jahr wächst, hört sich dies in der Tat wenig berauschend an. Was die zittrigen Anleger nicht gesehen haben, ist, daß das Unternehmen dieses schwache erste Halbjahr bereits zum Börsengang angekündigt und intern eingeplant hatte. ArtStor hält nach wie vor am Umsatzziel von über 20 Mio. Euro für das laufende Jahr fest. Der Grund für den stagnierenden Umsatz war im wesentlichen, daß ArtStor gerade eine neue Produktlinie anlaufen läßt, die erst im dritten Quartal richtig durchstarten wird. Solche Verzerrungen sind in der IT-Branche nicht ungewöhnlich.

Zum Glück scheinen einige Schnäppchenjäger die Übertreibung heute erkannt zu haben. Schließlich sind die ArtStor-Aktien am Vormittag deutlich angesprungen. Interessierte Anleger, die mit von der Partie sein wollen, sollten nicht mehr als 18 Euro bezahlen.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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