In schwierigen Börsenzeiten greift man gerne zur Wandelanleihe, hat man doch durch sie das Recht, bei angenehmem Verlauf des Börsenkurses in Aktien zu wandeln und über die bescheidene Verzinsung hinaus Geld zu verdienen. Doch der 2,3 Mrd. Euro schwere, (nur!) drei Jahre laufende „Wandler“ des Rosa Riesen ist ein „Mandatory Convertible“ – will heißen: Es gibt kein Wahlrecht, sondern eine Zwangswandelung.

Hatten wir nicht noch kürzlich über eine ähnliche Konstruktion gelästert? Erinnern Sie sich an diverse freiwillige Kaufangebote der KAPAS GmbH, die uns für die Einreichung verschiedener börsennotierter Aktien 8 %-Wandelgenußscheine der AROP AG anbot? Auch dort lauerte hinter einem auf den ersten Blick attraktiven Coupon die Zwangswandelung in Vorzugsaktien der (längst insolventen) AROP.

Wie gestaltet sich die Zahlungsreihe denn nun? Wir bezahlen heute den Ausgabekurs und erhalten drei Jahre lang einen ordentlich hohen Coupon von 6,5 %. Am Ende gibt es auf alle Fälle kein Bargeld zurück, sondern Telekom-Aktien mit 24 % Wandlungsprämie als Aufschlag. Im Unterschied zum direkten Aktienkauf haben wir drei Jahre lang statt Dividenden nun Zinsen, dafür dürfen wir auf der Hauptversammlung weder Stimmen abgeben noch Würstchen essen. Im Insolvenzfall (auch dieser Gedanke muß erlaubt sein!) freut sich der Insolvenzverwalter besonders, da die „Forderung“ der Gläubiger sich mit der Fälligkeit automatisch erledigt und zu Eigenkapital wird.

Die Telekom freut sich, verbessert sich doch ihr Rating, und solcherlei kann sie gut brauchen. Moody’s urteilte Anfang 2003 bereits „Baa3“, also gerade noch so eben „Investment-Grade“ und noch nicht „Junk“. Die bisherigen Aktionäre sind trotzdem nicht begeistert, denn bei günstigem Verlauf wird ihr Anteil am Unternehmen verwässert. Der Kursverlust von rund 10 % anläßlich der Bekanntgabe der Emission übertraf den maximalen Verwässerungseffekt von 4,6 % allerdings deutlich. Psychologen mögen daraus ihre Schlüsse ziehen.

Wo ist also der Vorteil für den Anleger? Es gibt drei Jahre lang rund 150 Basispunkte höhere Zinsen. Punkt. Institutionelle Adressen rissen sich um das Papier, denn vorübergehend höhere Zinsen sind genau das, wonach die Branche lechzt. Drei Jahre lang „sichere“ Erträge werden gegen das volle Preisänderungsrisiko der T-Aktie erkauft.

Werden hier Minen in den Depots von Versicherten und Pensionsberechtigten vergraben?

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Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

 

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