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Am 27. September läutete die Deutsche Börse eine neue Ära ein – und damit das Ende für die einstigen Vorzeigeprojekte Neuer Markt und Smax. Alles sollte besser gemacht werden, nachdem besonders der Neue Markt durch Kursverluste, Skandale und Insolvenzen nicht einmal mehr zum Sanierungsfall taugte. Mit dem Platzen der Tech-Bubble hatte sich dieses Konzept offensichtlich überlebt, eine Notierung in einem dieser Indices war für die verbleibenden Unternehmen vom Finanzierungsmotor zum Hemmschuh geworden.

Was tut man aber, wenn die Investoren die alte Verpackung ablehnen, der Inhalt aber gleich bleiben muß?

Genau, man baut eine neue Verpackung und würfelt den Inhalt neu zusammen. Das sieht nach Veränderung aus, nach Innovation und Verbesserungswillen. Diese Aufgabe hat die Deutsche Börse bravourös gemeistert – auf den ersten Blick. Den Dax gibt es weiterhin und auch den MDax. Der aber enthält nur die klassischen Industrieunternehmen und muß damit 20 Firmen abgeben. Die Technologieunternehmen sollen im neu gebastelten TecDax untergebracht werden, und zwar sowohl die Tech-Werte aus dem MDax als auch die aus dem Neuen Markt, insbesondere dem Nemax-50.

Schön gedacht, aber leider sehr problematisch. Einige Unternehmen aus dem MDax sehen nämlich die Paarung mit den Ex-Neuer-Marktlern mit Argwohn. Wedeco sprach offen vom „Stallgeruch des Neuen Marktes“ als sie vom M- in den TecDax wandern sollten. Der Wasser-Spezialist hat sich damit abgefunden, andere tun dies aber nicht. Fresenius Medical Care beispielsweise bedrängte die Index-Verantwortlichen solange, bis diese von ihrer Einschätzung, Fresenius gehöre aus dem M- in den TecDax, wieder abrückten. Auch Jenoptik, die ebenfalls zum TecDax wechseln sollten, gefällt der Gedanke gar nicht. Jetzt will man sich bald „mit der Deutschen Börse unterhalten“, wie IR-Manager Schneider erklärt. Wir dürfen gespannt sein.

Die Angst vor negativen Externalitäten durch den Mix von MDax- und Neuer-Markt-Werten, die für die einzelnen Unternehmen durchaus verständlich sein kann, könnte für den TecDax per saldo aber zum Verhängnis werden. Wenn alle Unternehmen, die etwas auf sich halten, vor dem Zusammensein mit den minderkapitalisierten Neuer Markt- und SDax-Firmen zurückschrecken, dann wird der TecDax nicht mehr als ein Sammelbecken alter Problemfälle. Setzt die Deutsche Börse wirklich auf eine Verbesserung der momentanen Verhältnisse, ist jede Ausnahme von der geplanten Index-Zusammenstellung eine Ausnahme zuviel.

Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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