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Den Lordsiegelbewahrern der Geldstabilität ist da so richtig das Monokel auf die Tischplatte geknallt: 75 Basispunkte Zinssenkung außerhalb des Turnus – ja ist das Leben denn wirklich nur ein ruhiger, großer (Geld-)-Fluss? Das Unbehagen kann man durchaus teilen. Vor allem ist es ausgesprochen ärgerlich, dass gewissermaßen als Kollateral-Begünstigte der Fed-Aktion es jenen leichter gemacht wird, ihre Haut zu retten, die für die ganzen Turbulenzen verantwortlich sind. Der Gedanke, das System der Zocker mal so richtig zusammenkrachen zu lassen, entbehrt für viele Beobachter – und dies keineswegs nur jenen, die short gegangen waren – nicht einer gewissen Wohligkeit.

Der Blick auf die jüngsten Zahlen zeigt allerdings, dass für Sentimentalitäten aller Art nicht eben die beste Zeit ist. Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf Daten einer Fachagentur vermeldet, ist die Zahl der Hypothekenausfälle 2007 in den USA auf 2,2 Mio. gestiegen. Das heißt: Mehr als 1 % aller Haushalte sind schon betroffen, im Bundesstaat Nevada als „Spitzenreiter“ sogar 3,4 %. Im Jahresvergleich stieg die Ausfallrate um 75 %, und im Dezember-Vergleich steht eine glatte Verdoppelung zu Buche. Anderen Quellen zufolge seien derzeit etwa 6 % aller Subprime-Kredite mehr als 60 Tage im Verzug, durch anstehende automatische Zinserhöhungen könnte die Rate auf 22 % oder mehr steigen. Nicht sonderlich beruhigend.

Die prozentualen Ausfallzahlen an sich sind noch nicht einmal das Problem. 2002 etwa waren 9 % aller Subprime-Kredite mehr als 60 Tage in Verzug – erst die schiere Menge des unter die Leute gebrachten Geldes sorgt für die Verheerungen. Nun hat der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft auf 4,1 % gesenkt – weil sich das Wachstum in den USA trotz Konjunkturprogramm spürbar abschwächen werde. So gesehen war die Zinssenkung mehr als dringlich. Der Vorwurf, dass die Fed, wenn sie schon den Weg des billigen Geldes gehen wolle, zu spät reagiert habe und sie sich in letzter Konsequenz zum Erfüllungsgehilfen der Spekulanten macht und im Übrigen dadurch viel Vertrauen verspielt hat, geht fehl. Kann man das Zögern nicht auch so werten, dass die Zentralbanker so lange gewartet haben, bis der normativen Kraft der Fakten nichts mehr entgegenzusetzen war?

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.