Apokalyptische Aussichten – die jetzt revidiert wurden. Bei dem Gedankten kann einem schon Angst und Bange werden. Die Bevölkerungszahlen in Deutschland und den anderen Industrienationen sind rückläufig. Das ist natürlich keine ganz neue Erkenntnis. In Deutschland ist das Bevölkerungswachstum schon seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert rückläufig. Seit den 1920er Jahren reicht die durchschnittliche Geburtenziffer nicht mehr zum Generationenersatz. Und hätte es keinen Zustrom von Ausländern, Aussiedlern und Vertriebenen gegeben, wäre die deutsche Bevölkerung schon seit den 1970er Jahren erkennbar geschrumpft.

Für diesen Geburtenrückgang gibt es eine Vielzahl von Gründen, die an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden sollen. Allein die Tatsache, daß die Bevölkerung langfristig schrumpft, ist entscheidend, denn die Konsequenzen, die sich daraus für den Kapitalmarkt ergeben könnten, sind dramatisch. Durch die schrumpfende Bevölkerung wird der Abfluß von Anlagegeldern langfristig den Zufluß übersteigen. Das mittlere Alter steigt dabei soweit an, bis die Masse der potentiellen Investoren im Rentenalter ist. Dort aber wird kaum noch investiert, stattdessen vielmehr konsumiert. In Verbindung mit negativen Konjunktureffekten würde dies zum Niedergang der Kapitalmärkte führen.

Ein Horrorszenario für jeden Investor. Aber alles nur halb so schlimm. Zwei Jahre nachdem eine viel beachtete Bankenstudie zu diesem Thema mit dem Schlagwort „Asset Meltdown“ für Magenschmerzen in den Anlage-Abteilungen sorgte, kommt nun die Entwarnung. Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) nämlich erklärt den angekündigten „Asset Meltdown“ für überzogen. Zwar rechnet die Studie auch mit Renditerückgängen, diese allerdings nur im Bereich von rund 1 %. Begründet wird diese Kehrtwende mit dem Argument, daß eine schrumpfende Gesellschaft die immer weniger vorhandene Arbeit durch Kapital substituieren muß. Dadurch aber würde der Kapitalbedarf steigen und damit auch die Möglichkeit, Kapital gewinnbringend zu investieren. Hinzu komme laut Aussage der Autoren die internationale Kapitalmobilität, die auch weiterhin rentable Investments ermögliche. Zusammen mit der erwarteten Zunahme des Kapitaldeckungsverfahrens zur Sicherung der Altersrente sollte der Abfluß des Kapitals durch den Bevölkerungsrückgang per saldo deutlich gebremst werden.

Das ganze klingt gut, eigentlich zu gut, um wahr zu sein. Das meint auch Bert Rürup, seines Zeichens wissenschaftlicher Gutachter der Bundesregierung. Der nämlich sieht trotz allem langfristig große Probleme. Wie immer also viel Stochern im Nebel – aber keine Sorge, in 30 Jahren wissen wir mehr.

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