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Am letzten Donnerstag gab das US-Unternehmen Palm Inc. sein heißersehntes Börsendebüt (sh. GoingPublic Kolumne, „Palm Inc. – Das IPO des Jahres 2000!“) an der Nasdaq. Die Aktien, die zu 38 US-$ an den Markt gebracht wurden, schossen in der Spitze auf 165 US-$. Zu diesem Zeitpunkt hatte Palm eine Marktkapitalisierung von über 80 Mrd. US-$. Am letzten Freitag sind die Papiere schließlich auf 80 US-$ zurückgefallen. Die Marktbewertung des Unternehmens ist noch immer äußerst ambitioniert. Mit 45 Mrd. US-$ ist Palm deutlich mehr wert als Gilette!

Was Anleger dabei bisher nicht bedacht haben, ist folgendes: Der Free Float von Palm beträgt derzeit nur 23 Mio. Aktien oder etwa 4 %. Ein weiteres Prozent teilen sich Nokia, Motorola und AOL. Modemhersteller und Netzwerkspezialist 3Com hält noch immer 95% der Anteile. Das soll jedoch nicht für immer so bleiben. In den nächsten 6 Monaten möchte das Unternehmen seine Palm-Aktien unter den eigenen Aktionären aufteilen. Jetzt wird es Zeit, den Taschenrechner zu zücken.

Es gibt insgesamt 562,3 Mio. Palm Aktien, von denen 3Com noch immer ca. 534 Mio. Stück hält. 3Com selbst hat aber nur 342,3 Mio. Aktien. Pro eigener Aktie hält 3Com damit noch immer 1,56 Palm-Aktien. Gehen wir der Einfachheit halber davon aus, daß jeder 3Com-Aktionär im Laufe der nächsten Monate 1,5 Palm Aktien bekäme und deren Kurs bei 80 US-$ bleiben würde. Dann müsste sich ein Investment in 3Com auszahlen. Für eine 83 US-$ 3Com Aktie bekäme der Anleger Palm-Anteile für 120 US-$ plus 3Com selbst!

Aufgrund dieser Tatsache gab es in den letzten Tagen eine Reihe von Heraufstufungen für 3Com; aber hört sich das ganze nicht zu gut an, um wahr zu sein?

Nicht unbedingt. Fest steht nur: Wer Palm will, sollte 3Com kaufen. So risikolos, wie es in der Einleitung anklang, ist das Geschäft allerdings nicht. Die tatsächlichen Konditionen, zu denen Palm-Aktien unter 3Com-Aktionären aufgeteilt werden, sind noch völlig unbekannt, und das Zuteilungsverhältnis kann von dem oben angenommenen deutlich abweichen. Außerdem besteht das Risiko, daß die Palm-Aktien deutlich an Wert verlieren und auf diese Weise die entstandene Bewertungsschere schließen…

So ganz umsonst gibt’s also doch nichts im Leben.

 

Die Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.