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Aus dem Zusammenschluss der deutschen SAF mit der US-amerikanischen Holland-Gruppe entstand im Jahr 2006 einer der weltweit führenden Zulieferer für die LKW- und Trailer-Industrie. Als „Société Anonyme“ hat die Gesellschaft ihren Hauptsitz in Luxemburg. Daneben verfügt der Konzern über 16 Produktionsstätten auf fünf Kontinenten. Ergänzt werden diese um ein weit verzweigtes Servicenetz. Derzeit beschäftigt SAF-Holland über 3.100 Mitarbeiter. Dank der guten Branchenkonjunktur erzielte die Gesellschaft 2011 eine deutliche Umsatzausweitung auf 831 Mio. EUR. Gleichzeitig vervielfachte sich der Gewinn auf über 27 Mio. EUR (Vj.: 2,9 Mio. EUR). Wir sprachen mit CEO Detlef Borghardt.

GoingPublic: Herr Borghardt, wie sehr bereitet Ihnen die schwelende Schuldenkrise in vielen europäischen Ländern Kopfzerbrechen?

Borghardt: Meiner Einschätzung nach haben wir es hier mit einer Vertrauenskrise zu tun. Unsere Kunden sind die Spediteure. Diese kaufen und investieren nur, wenn sie davon überzeugt sind, dass in der Zukunft ein entsprechender Transportbedarf vorhanden ist. Es lässt sich aktuell schon eine gewisse Nervosität am Markt feststellen, zu dem von manchem befürchteten Einbruch kam es bislang aber nicht. Kritisch wird es ohnehin erst, wenn die Banken analog zur letzten Krise kein neues Equipment mehr finanzieren möchten. Das sehen wir so aber nicht.

GoingPublic: Der Nutzfahrzeugmarkt entwickelt sich in Europa jedoch schon seit Jahresbeginn deutlich rückläufig. Wann rechnen Sie mit ersten Bremsspuren für Ihr Geschäft?

Borghardt: Zunächst ist eine Abhängigkeit vom Truck-Markt und von den Krisenländern Südeuropas de facto nicht gegeben. Dort erzielen wir nur letztlich einen äußerst geringen Anteil unseres Gesamtumsatzes. Darüber hinaus hat das Geschäft in Ländern wie Spanien, Portugal oder Italien seit der Finanzkrise von 2008 praktisch überhaupt nicht mehr angezogen. Wir sind somit in dieser Region schon länger an ein recht niedriges Niveau gewöhnt. Für uns ist vielmehr die Entwicklung bei den Anhängern und Aufliegern entscheidend. In West- und Nordeuropa laufen die Geschäfte in diesem Bereich stabil, in Osteuropa liegen wir inzwischen sogar über den Produktionszahlen vor der letzten Finanzkrise.

SAF-Holland-Trailer Foto: SAF-Holland S.A.
GoingPublic: Welche Hoffnungen setzen Sie mittel- bis langfristig auf Schwellenländer wie Brasilien, China oder Indien?

Borghardt: Brasilien bleibt trotz des Einbruchs im ersten Halbjahr von knapp 30% ein Wachstumsmarkt. Der Rückgang erklärt sich hauptsächlich mit Vorzieheffekten in Folge staatlicher Anreize. Im zweiten Halbjahr dürfte sich dieser Trend wieder umkehren. Für alle BRIC-Staaten gilt, dass wir dort aktuell noch ein recht kleiner Anbieter sind. Gleichwohl ist es unsere Motivation, bis zum Jahr 2015 10% der Umsätze in diesen Ländern zu erzielen. Schon heute lässt sich in Ländern wie Russland oder China ein Trend zu Premiumprodukten beobachten. Davon sollte unser Geschäft mittelfristig profitieren.

GoingPublic: Fühlen Sie sich auf schwierigere Zeiten ausreichend vorbereitet? Während der Krise 2008/09 rutschten Sie schließlich tief in die roten Zahlen.

Borghardt: Diese Entwicklung wird sich meiner Einschätzung nach so nicht wiederholen.Damals produzierten alle Unternehmen am Limit. Europaweit standen zweitweise fast 100.000 neue oder neuwertige Anhänger/Auflieger bei den Händlern. Das führte zu einem gewaltigen Rückstau, der sich erst nach eineinhalb Jahren auflöste. Heute produziert die gesamte Branche nur noch nach Auftrag. Zudem ist unser Bilanzbild nicht mit dem von vor vier Jahren zu vergleichen. Wir sind bis 2014 voll durchfinanziert und verfügen über eine Eigenkapitalquote von 36%. Ein Fünftel unserer Mitarbeiter besitzt überdies einen befristeten Vertrag. Das verschafft uns gerade in Krisenzeiten die nötige Flexibilität. Überhaupt sind wir durch die Erfahrungen aus 2008 inzwischen nochmals sensibilisierter, was das Kostenmanagement anbelangt.

Gießerei der SAF-Holland in Singen Foto: SAF-Holland S.A.
GoingPublic: Wo sehen Sie konkret noch Optimierungs- und Verbesserungsbedarf?

Borghardt: Vor allem in den Schwellenländern müssen wir besser werden. In China und Brasilien verdienen wir bislang kein Geld. Das ist sicherlich unbefriedigend. Als Unternehmen benötigt man in diesen Regionen jedoch ganz allgemein einen langen Atem. Den haben wir. Wir werden dort in den Ausbau unserer Service- und Vertriebsstrukturen investieren, um auf diesem Wege unsere Bekanntheit in diesen Regionen sukzessive zu steigern.

GoingPublic: Was möchten Sie 2012 noch erreichen?

Borghardt: Die bereits erwähnte Verdopplung unserer Achskapazitäten in den USA soll im Laufe des vierten Quartals abgeschlossen sein. Wir werden außerdem in Mexiko ein neues Lager errichten und unsere Kapazitäten in Malaysia weiter ausbauen. Grundsätzlich erwarten wir für das Gesamtjahr einen positiven Geschäftsverlauf. Im Moment befinden wir uns in der Sommerpause. Wichtig wird sein, wie wir aus dieser herauskommen. Neue Impulse könnten zudem von der Branchenmesse IAA im September ausgehen.