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 Ein aktuelles Finanzierungsinstrument sind Initial Coin Offerings (ICOs). Nicht nur begrifflich, sondern auch konzeptionell ist das ICO an ein Initial Public Offering (IPO), also einer Erstplatzierung von Aktien, angelehnt. Beide Formen der Kapitalaufnahme unterscheiden sich aber grundlegend im Hinblick auf ihre strukturelle und insbesondere rechtliche Ausgestaltung: Bei einem ICO wird eine neue „Währung“ in Form digitaler Coins (oder auch Token) im Rahmen eines sog. Token Sale an Investoren veräußert. Zahlungsmittel stellt hier häufig eine Kryptowährung wie Bitcoin oder Etherum dar, teilweise aber auch eine gesetzliche Währung. Von Dr. Thorsten Kuthe und Madeleine Zipperle, Heuking Kühn Lüer Wojtek Köln

 

Thorsten Kuthe und Madeleine Zipperle, Heuking Kühn Lüer Wojtek.
Dr. Thorsten Kuthe und Madeleine Zipperle, Heuking Kühn Lüer Wojtek.

Für wen ist es sinnvoll?

Wie häufig bei neuen Finanzierungsformen besteht auch aktuell am Markt der Eindruck, dass jeder, der Geld braucht, sich erst einmal auf einen ICO „stürzt“. Wieder einmal öffnet ein Trend Kapitalquellen. Wann aber ist eine Kapitalaufnahme über Coins/Tokens sinnvoll? Zum einen gibt es Geschäftsmodelle, bei denen ein eigener Token sinnvoll und vorgesehen ist. Das gilt etwa für Online-Marktplätze. In diesem Fall ist der vorherige Verkauf der Tokens ähnlich wie eine Crowdfinanzierung etwa einer Musik-CD. So wie die Fans der Musik die CD vorfinanzieren und dann später Goodies dafür bekommen (vergünstigte Konzerttickets, T-Shirts etc), finanzieren die User des künftigen Online-Marktplatzes diesen durch das ICO vor. Dafür erhalten die Erwerber der Tokens später die Möglichkeit, sich auf dem Marktplatz zu betätigen, und bekommen dafür die Tokens, mit denen sie auf dem Marktplatz bezahlen können.

Ein weiterer Punkt, in dem sich die Finanzierung über Tokens von bisherigen Finanzierungsformen unterscheidet, ist die Technik: Durch die Verteilung über die Blockchain kann wesentlich einfacher ein weltweites Publikum erreicht und durch die Bezahlung über Kryptowährungen wie Bitcoin das Kapital der Investoren leichter weltweit zum Emittenten transferiert werden.

 

Alles völlig rechtsfrei?

Ein typisches Phänomen solch neuer Finanzierungsquellen ist, dass die Märkte zunächst, sagen wir sehr hemdsärmelig sind und dann eine zunehmende Professionalisierung eintritt. So auch hier. Die typischen ICOs erfolgten bislang über Gesellschaften in der Schweiz oder in Offshore-Ländern. Die Dokumentation beschreibt man am besten mit „quick and dirty“. Doch so etwas geht nicht lange gut.

Die zahlreichen Warnungen von BaFin, ESMA und anderen Behörden zeigen, dass hier natürlich kein rechtsfreier Raum besteht, und wer seriös arbeiten will, muss sich davon abgrenzen. Gleichzeitig nutzen die Behörden das schon bestehende rechtliche Instrumentarium. So ist es etwa eine irrige Annahme, dass ein ICO über Gesellschaften, die nicht in Deutschland sitzen, nicht auch bestimmten Vorschriften deutschen Rechts unterliegt.

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