Die Geschichte von engelbert strauss geht so: Die dritte Generation des Familienunternehmens studiert und arbeitet in den 1990er-Jahren in den USA. Nachdem Henning und Steffen Strauss Anfang des Jahrtausends in den Betrieb zurückgekehrt sind, krempeln sie den ländlich gelegenen Hersteller von Arbeitskleidung, Besen und Bürsten gründlich um –  eine beeindruckende Wachstumsstory findet ihren Anfang. Arbeitsbekleidung mit schicken Schnitten und frischen Farben heißt jetzt Work Wear, der gute, alte Blaumann goes fashion. Von Stefan Preuß

Wer erinnert sich nicht an die eine Szene aus Mark Twains Klassiker „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“: Tom Sawyer musste 30 Meter Zaun weiß pinseln, wozu er natürlich keine Lust hatte. Doch fröhlich pfeifend tat er so, als ob seine Tätigkeit die schönste der Welt sei, weckte Interesse und verführte all jene, die des Wegs kamen, selber den Pinsel zu schwingen. Am Ende war der Zaun gestrichen, ohne dass Sawyer groß hatte Hand anlegen müssen. Mehr noch: Er nahm auch noch einen Schatz aus Murmeln und anderen Kostbarkeiten ein!

Berufsbekleidung
Berufsbekleidung

Die Tom Sawyers von heute heißen Henning und Steffen Strauss. Ihre Handwerkerinnen und Handwerker haben nicht nur offensichtlich ganz viel Spaß bei der Arbeit, sondern sie sehen trotz ihrer großen Aufgaben auch noch hervorragend aus. Ansteckend hervorragend sogar. Fast möchte man seine Businesskleidung gegen die funktionale Designermode aus Biebergemünd eintauschen. Den Unternehmern ist es gelungen, aus dem klassischen Me-too-Produkt Blaumann und Latzhose ein Trendprodukt zu kreieren. Zum Thema Sicherheitsschuhe liest sich das dann so: „Your Style. Your Workwear! Ab sofort wird der Arbeitsplatz zum individuellen Spielfeld. Mit dabei: Unsere neuen Sicherheitsschuhe im lässigen Sneakerlook. Unter dem coolen Design steckt die geballte Ladung Funktion – so stylisch waren Zehenkappe & Co. noch nie.“

Auf- und Ausbau der Marke

Firmengründer Engelbert Strauss startete 1948 als Verkäufer von Besen und Bürsten, die in seinem Heimatort von vielen Einwohnern hergestellt wurden. Die Kunden, etwa aus der Baubranche, fragten auch Eimer, Werkzeug und Schutzbekleidung sowie Handschuhe nach. In den 1960er-Jahren gab es einen ersten Katalog, der Postversand startete. Sohn Norbert Strauss übernahm in den 1990er-Jahren und erweiterte um robuste Kleidung und sichere Schuhe. Mittlerweile beschäftigte das Unternehmen 35 Mitarbeiter. Und dann erfanden Henning und Steffen Strauss die Workwear neu.

Heute fertigt engelbert strauss Produkte sowohl in Europa als auch in Asien und Afrika – je nach Produktkategorie und Spezialisierung der Partnerbetriebe, in denen mehrere Tausend Menschen eine langfristig ausgerichtete Beschäftigung erhalten. „Mit vielen Produktionspartnern verbindet uns eine langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit. Wir suchen unsere internationalen Partner und Lieferanten sorgfältig aus. Ein gutes und menschliches Arbeitsumfeld in den Produktionsbetrieben sowie ein schonender Umgang mit der Natur sind dabei grundlegende Anforderungen“, erklärt das Unternehmen, das die Produktion ein Stück weit auch als Entwicklungshilfe sieht, denn an den lokalen Fabriken werden zumeist soziale Projekte angedockt. Aktuell werden Produkte weltweit in 31 Ländern hergestellt. In Laos, Bangladesch und Vietnam entsteht weit mehr als die Hälfte der zu verkaufenden Arbeitsbekleidung. Neben diesen Ländern zählen auch China, die Türkei und Italien zu den wichtigsten Standorten.