Die globale Wirtschaft erlebt derzeit den größten konjunkturellen Aufschwung aller Zeiten. Dabei hat die weltweite Wachstumsphase offensichtlich noch nicht ihre natürliche Grenze erreicht – trotz allen drohen vor allem politische Risiken, die diesen Aufschwung potenziell bedrohen. Was bedeutet das für den Kapitalmarkt? Von Karen Ward und Tilmann Galler

Die Wachstumsphase der US-Wirtschaft hat inzwischen ein historisches Rekordniveau erreicht. Aber der Ausblick wird durch politische Unruhen bedroht. Während die Zölle selbst den Aufschwung wahrscheinlich nicht stoppen dürften, stellen die indirekten Folgen für die Investitionstätigkeit der Unternehmen ein größeres Risiko dar.

Die US-Notenbank steht im Vorfeld der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr unter enormen Druck, die Zinsen zu senken und den Wachstumsmotor in den USA in Gang zu halten. Das könnte die Wirtschaftsaktivität bis zu einem gewissen Grad unterstützen, aber die Konjunktur und Gewinne in den USA werden mit dem Abklingen der Steuersenkungseffekte an Dynamik verlieren.

Quelle: Esteban Ortiz-Ospina und Max Roser: International Trade, US International Trade Commission, USITC, US Census, J.P. Morgan Asset Management.
Quelle: Esteban Ortiz-Ospina und Max Roser: International Trade, US International Trade Commission, USITC, US Census, J.P. Morgan Asset Management.

Jegliche Zurückhaltung Pekings im Hinblick auf das Öffnen der Schleusen zur Verteidigung des Wachstums in China liegt weit hinter uns. Die Frage ist jetzt, wie schnell die politischen Maßnahmen wirken und welche Folgen sie im Ausland haben.

Leidet Europa am stärksten?

Europa ist die Region, die am anfälligsten für die Auswirkungen des Handelskrieges sein dürfte. Es ist zwar noch nicht klar, ob die europäische Automobilindustrie als nächstes auf der Bestrafungsliste von Präsident Trump steht, aber die Unsicherheit fordert ihren Tribut – und der Spielraum für politische Unterstützung ist begrenzt.

In der Vergangenheit neigten Investoren dazu, gegen Ende des Zyklus Risiken abzubauen. Angesichts einer besonders unübersichtlichen Lage und weil die Zentralbanken ihre Zinssätze nicht normalisiert haben, ist es dieses Mal weniger sicher, dass einheimische Anleihen und liquide Mittel ihre übliche Rolle für europäische Anleger übernehmen werden.

Es erscheint daher sinnvoll, vorerst an einer defensiven Aktienallokation festzuhalten und gleichzeitig nach Alternativen wie Makrofonds und Real Assets zu suchen, um einen potenziellen Portfoliopuffer zu haben.

Über den Autor

Tilmann Galler

Tilmann Galler ist globaler Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management.

Karen Ward JP Morgan

Karen Ward

Karen Ward ist Chief Market Strategist EMEA bei J.P. Morgan Asset Management.