Opernturm Frankfurt. Quelle: publity AG.
Opernturm Frankfurt. Quelle: publity AG.

Der Immobilieninvestor und Assetmanager publity konnte dem Markt jüngst einige spannende Meldungen präsentieren, wie z.B. stetige Aktienkäufe durch CEO Thomas Olek oder eine entscheidende Beteiligungsaufstockung. Wir sprachen mit Letzterem u.a. über diese Strategie und den Immobilienhype in Deutschland.

GoingPublic: Herr Olek, Sie haben Ihren Aktienanteil auf mehr als 80% aufgestockt was ist die Idee dahinter?
Thomas Olek ist Gründer, Hauptaktionär und seit 2013 Vorstandsvorsitzender der publity AG.
Thomas Olek ist Gründer, Hauptaktionär und seit 2013 Vorstandsvorsitzender der publity AG.

Olek: Ich habe meine Beteiligung auf mittlerweile rund 84% aufgestockt – und somit in den vergangenen zwölf Monaten ca. 110 Mio. EUR in publity-Aktien zu Marktpreisen investiert. Ich kaufe fast jede Woche – Aktien und unsere Wandelanleihe, deren Strike Price unter unserem aktuellen Aktienkurs liegt. Ich bin von den Perspektiven unseres Unternehmens überzeugt: Wir sind erfolgreich als Assetmanager und als Gewerbeimmobilieninvestor auf eigene Rechnung mit unserer Tochter PREOS. Unsere Beteiligung an PREOS hat auf Basis ihres aktuellen Aktienkurses übrigens einen höheren Wert als publity insgesamt. Das gesamte Assetmanagementgeschäft von publity bekomme ich mithin quasi gratis dazu, wenn ich publity-Aktien kaufe. Ich denke, das erklärt, warum sich unser Aktienkurs in den vergangenen Quartalen so gut entwickelt hat und warum ich trotzdem immer noch der Meinung bin, dass ich neue Aktien auf dem aktuellen Kursniveau günstig kaufe.

In der Immobilienbranche fanden zuletzt einige Konsolidierungen statt. Sie haben Ihre Beteiligung an PREOS Real Estate erst Anfang Oktober auf mehr als 90% aufgestockt. Inwiefern sind solche Konsolidierungen am Immobilienmarkt sinnvoll?

Größe und Geschwindigkeit sind wichtige Erfolgsfaktoren am Immobilienmarkt, heute mehr denn je. Vor diesem Hintergrund ist die Einbringung von PREOS in den publity-Konzern ein wichtiger Meilenstein unseres dynamischen weiteren Wachstums, denn wir haben in PREOS unseren Eigenbestand gebündelt und uns dabei noch breiter aufgestellt. PREOS hatte ursprünglich ein Segment mit Büroimmobilien im Wert von 10 Mio. bis 25 Mio. EUR adressiert. Mit der Einbringung der publity Investor GmbH in PREOS, mit Objekten zwischen 40 Mio. und 300 Mio. EUR im Visier, decken wir nun attraktive Größenklassen am Markt ab. Für und mit ihnen haben wir ja bereits lange vor der Anteilsübernahme als Assetmanager gearbeitet. Darauf konnten wir aufbauen.

Wie heben Sie sich von anderen Gewerbeimmobilieninvestoren ab?

Wir sind klar fokussiert auf Büroimmobilien und in diesem Segment einer der erfolgreichsten Player am deutschen Markt – durch das breite Netzwerk, die langjährige Erfahrung und die starken Partner. Ganz entscheidend dabei ist unser sehr guter Zugang zu attraktiven und günstigen Immobilien, die in unser Beuteschema und in das unserer Kunden optimal passen. Unsere eigene Datenbank mit ca. 9.500 Objekten nutzen wir, um geeignete Immobilien sehr schnell zu identifizieren und um bei der Vermietung von Flächen erfolgreich zu sein. Insgesamt punkten wir durch unser funktionierendes Geschäftsmodell mit zwei starken Standbeinen – dem Assetmanagementgeschäft für Kunden und dem eigenen Immobilienportfolio. Als Assetmanager bekommen wir Finder‘s Fees beim Objektkauf, werden für das Assetmanagement honoriert und erhalten eine Gewinnbeteiligung beim Verkauf der Objekte. Beim Eigenbestand profitieren wir vollumfänglich von den erreichten Wertsteigerungen der Immobilien.

Böse Zungen spekulieren schon seit Langem über eine mögliche Immobilienblase.
publity-Chartentwicklung.
publity-Chartentwicklung.
Wie ist Ihre Meinung hierzu – sehen Sie eine Blase am Immobilienmarkt?

Von einer Blase würde ich nicht sprechen. Aber natürlich ist es schwieriger geworden, Objekte am Markt zu finden, die attraktive Renditen versprechen. Da werden Datenbanken, Netzwerke und Erfahrung dann zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren – eine Situation, die mir durchaus gefällt, denn über all dies verfügen wir. Dass wir eine gute Nase beim Aufspüren günstiger attraktiver Objekte haben, lässt sich auch daran ablesen, dass große börsennotierte Immobilienunternehmen ihre Objekte teilweise über uns beschaffen – ich darf hier beispielhaft die Godewind Immobilien AG und die DEMIRE Deutsche Mittelstand Real Estate AG nennen. Ich glaube, wir werden langfristig ein Umfeld mit niedrigen Zinsen und wenig Anlagealternativen sehen. Das spricht weiter für Immobilien – nur darf man natürlich nicht um jeden Preis kaufen.

Sie sind seit 2015 an der Börse notiert. Wie wichtig ist die Börsennotiz für Sie als Immobilienunternehmen?

Die Börsennotiz war und ist außerordentlich wichtig und stellt einen Meilenstein für unser Unternehmenswachstum dar. Dadurch haben wir uns nicht nur Zugang zum Kapitalmarkt verschafft, sondern wurden auch für Investoren sichtbarer und attraktiver.

publity ist bislang ausschließlich auf dem deutschen Immobilienmarkt tätig. Gibt es Pläne, auch international zu expandieren?

Unser Fokus liegt ganz klar auf dem deutschen Immobilienmarkt und deutschen Büroobjekten. Hier sind wir sehr erfolgreich und hier sehen wir auch weiterhin unsere Zukunft. Wir haben zwar auch Niederlassungen in der Londoner Oxford Street und in der Wall Street in New York – dies aber, um bei großen Kunden von uns vor Ort präsent zu sein und die Geschäftsbeziehungen mit ihnen auszubauen. Das ist also eher vor dem Hintergrund der zunehmenden Nachfrage von internationalen Investoren nach deutschen Immobilien zu sehen.

Wie sehen Ihre weiteren Wachstumspläne in Zahlen aus?

Die Assets under Management wollen wir bis zum Jahresende 2020 auf rund 7 Mrd. EUR steigern. Dafür sind wir bestens gerüstet. Bereits jetzt liegen wir bei über 5,5 Mrd. EUR nach 4,6 Mrd. EUR Ende 2018 – und das Immobilienverkäufen zum Trotz. Unser eigenes über PREOS gehaltenes Immobilienportfolio werden wir ebenfalls zügig weiter ausbauen und Marktopportunitäten für lukrative Verkäufe nutzen; den Nettogewinn dürften wir 2019 im Jahresvergleich mindestens verdoppeln und bei 50 Mio. EUR oder mehr landen.

GoingPublic: Herr Olek, vielen Dank, dass Sie uns Rede und Antwort standen.

Das Interview führte Svenja Liebig.

 

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redaktionsleitern Kapitalmarktmedien bei der GoingPublic Media AG. Ihre Schwerpunktbereiche liegen bei Themen rund um IPOs, Investor Relations, Unternehmensfinanzierung und den Kapitalmärkten in Österreich und der Schweiz.