Durchhaltevermögen, Teamgeist, klare Fokussierung – alles Attribute, die sowohl für den beruflichen als auch für den sportlichen Erfolg, etwa beim Bergsteigen, stehen: Zwischen beiden lassen sich erstaunlich viele Gemeinsamkeiten erkennen. Dieses und viele weitere spannende Themen wurden bei der diesjährigen CIRA-Jahreskonferenz in Wien diskutiert. Insgesamt fanden sich rund 300 Kapitalmarktspezialisten ein, um sich in neun Panels über neueste Trends und künftige Entwicklungen der IR- und Kapitalmarktbranche auszutauschen. Von Svenja Liebig

Das (Berufs-)Leben besteht aus Höhen und Tiefen: So versucht sicherlich jeder von uns bestmöglich, seinen persönlichen Gipfel zu erreichen. Auf dem Weg nach oben muss man nicht selten die einen oder anderen Rückschläge hinnehmen und Hindernisse überwinden – und dabei mindestens genauso viele schöne Erlebnisse genießen, die diesen säumen. Kurzum: Der Lebens- und Karriereweg ist im Kern vergleichbar mit einer Bergbesteigung.

Profibergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner
Profibergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner

Profibergsteigen als Sinnbild

Weil sich ideale Parallelen zwischen dem Erklimmen eines Gipfels und dem Aufsteigen der Karriereleiter ziehen lassen, wurde die Keynote der diesjährigen CIRA-Jahreskonferenz in Wien am 17. Oktober von der österreichischen Profibergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner gehalten. Als erste Frau der Welt hat Kaltenbrunner alle 14 Achttausender weltweit ohne zusätzlichen Sauerstoff erklommen. Von diesen beeindruckenden Erlebnissen berichtete sie, untermalt von unzähligen Impressionen der Gipfelbezwingungen. Nicht immer war das Glück dabei auf ihrer Seite: Für die Besteigung der Nordseite des zweithöchsten Bergs der Welt, des K2, benötigte sie mehrere neue Anläufe, bis sie es letztendlich schaffte – geholfen habe ihr dabei nach eigenen Angaben, immer das klare Ziel vor Augen zu behalten und sich nicht von Negativstimmen von außen beeinflussen zu lassen. Da sie die Bergbesteigungen immer mit ihrem meist sehr internationalen Team durchführte, waren vor allem auch Themen wie Teamgeist, gegenseitige Rücksichtnahme und kulturelles Verständnis von enormer Bedeutung. Alles wichtige Sachverhalte, die sich u.a. auch im Berufsfeld des IR-Managers widerspiegeln.

Ein Gipfelstürmer muss man aber nicht immer im wörtlichen Sinne sein, um Erfolg zu haben und Durchhaltevermögen zu beweisen – so wurden im Anschluss an die Keynote weitere „Gipfelbezwinger“ auf die Bühne geholt: Liane Hirner von der Vienna Insurance Group, Stefan Schönauer von IMMOFINANZ, Wiener-Börse-CEO Christoph Boschan und Nico Baader von der gleichnamigen Baader Bank berichteten dabei von ihren persönlichen Gipfeln. Die Referenten erörterten u.a., welche individuellen Wege für ihre Ziele maßgeblich waren und wie es ihnen gelungen ist, ihr Ziel – trotz Unwägbarkeiten – zu erreichen.

 

Don’t stop – Digitalisierung

Im weiteren Tagesverlauf diskutierten schließlich mehr als 40 Referentinnen und Referenten parallel in zwei Sälen, unter anderem über aktuelle Anforderungen und Trends in der Finanzkommunikation wie Aktivismus,

Panelrunde zum Thema Digitalisierung
Panelrunde zum Thema Digitalisierung

ESG, MiFiD II, Governance und Digitalisierung. Bei letzterem schien das Interesse der Kapitalmarkt-Community außerordentlich groß zu sein: Das PanelDigitale Trends in der Kommunikationwar so gut besucht, dass fast kein Sitzplatz mehr verblieb. Aktuelle Trendthemen wie künstliche Intelligenz oder Kryptowährungen wurden auch angeschnitten. Als Quintessenz waren sich schlussendlich alle Panelisten einig, dass die Digitalisierung und Robotisierung vieler Bereiche einzelner Berufszweige, u.a. auch im Finanzjournalismus, nicht aufgehalten werden können – und auch nicht sollten. Vielmehr müsse verinnerlicht werden, dass der „Mensch nicht gegen die Maschine, sondern mit den Vorteilen der Maschine arbeiten sollte“, bekräftigte Ralf Frank, Geschäftsführer der DVFA. Digitalisierung müsse schließlich ganzheitlich gedacht und umgesetzt werden. Im Panel zuvor ging es ebenfalls „digital“ zu: Unter dem Motto „Digitale Tools und Features“ wurden neue Werkzeuge vorgestellt, die die Arbeit am Finanzmarkt beeinflussen – und manchmal sogar erleichtern können: so z.B. Social Trading, hybride HVs, XBRL etc.

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