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Die globalen Aktienmärkte haben sich nach dem Einbruch im vergangenen Jahr längst wieder gefangen und steigen auf historische Höchstwerte. Doch der Crash im vergangenen März hat deutlich gezeigt, dass die Finanzwelt nicht immun ­gegen die Auswirkungen einer veritablen Pandemie ist. Ist es Zufall, dass ausgerechnet 2020 ein Rekordjahr für Special ­Purpose Acquisition Companies (SPACs) war?

Mit einem Volumen von 83,3 Mrd. USD wurden im vergangenen Jahr 248 SPACs in den USA ­gelistet – ein Anstieg um rund 600% im Vergleich zu 2019. SPACs existieren ­bereits seit den 1990er-Jahren, aber nie zuvor hat der Markt solche Sphären ­erreicht. Dies ist u.a. der aktuell hohen Liquidität und Volatilität der Kapitalmärkte zu verdanken, denn insbesondere in Zeiten volatiler Aktienmärkte und nach signifikanten Wertberichtigungen sind SPACs eine gefragte Investment­klasse. Ausgehend von den SPAC-Emis­sionen innerhalb der ersten sechs ­Wochen des Jahres 2021, in denen ­bereits fast 45 Mrd. USD eingesammelt wurden, ist anno 2021 nochmals ein neues Allzeithoch zu erwarten.

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Der Mechanismus hinter SPACs lässt sich einfach erklären: Es wird ein Unternehmen gegründet, das als leere Mantelgesellschaft fungiert. Diese Unternehmens­hülle sammelt durch einen Börsengang Kapital ein, mit dem innerhalb eines ­bestimmten Zeitraums geeignete Unternehmen „akquiriert“ werden sollen. Nach erfolgreichen Verhandlungen sind die Aktionäre gefragt, die entweder der Akquisition zustimmen oder aber ihr ­investiertes Geld zurückverlangen können. Im Falle eines positiven Votums geht das akquirierte Unternehmen im Rahmen eines Reverse Mergers in der SPAC auf und die verschmolzene Gesellschaft wird an der Börse gehandelt. Wichtig dabei ist: In der Regel resultiert eine SPAC-Transaktion nicht in einem Exit der Alt-Gesellschafter.

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Die Attraktivität von Unternehmen für SPACs hängt grundsätzlich von deren ­ursprünglich festgelegtem Investitions­fokus ab. Meist geht dieser mit der Vorerfahrung der SPAC-Gründer einher, obwohl die meisten SPACs in Bezug auf Industrien und Geografien relativ flexibel sind.

Besonders beliebt sind Unternehmen, die außerordentlich hohe Wachstumserwartungen und erhebliche Marktpotenziale bieten. Dies ist insbesondere im Technologiesektor der Fall. Zu Anfang des Jahres 2021 suchten mit 54% mehr als die Hälfte aller SPACs Technologieunternehmen. Dass auch frühphasige Techunternehmen für SPACs interessant sind, ist dem Fakt geschuldet, dass im Zuge einer SPAC-Transaktion auch mit der künftig geplanten Entwicklung des Unternehmens um ­Investoreninteresse geworben werden darf. Eine solche Veröffentlichung von Umsatz- und Gewinnprognosen durch den Emittenten ist im Rahmen eines normalen IPOs hingegen verboten, sodass es für solche Unternehmen in der Regel nahezu unmöglich ist, den Weg an die Börse zu schaffen.

Ähnlich großes Potenzial lässt sich Nachhaltigkeitsthemen zuschreiben: Die ­Aktien der kürzlich in Amsterdam gelisteten SPAC „ESG Core Investment“ – der ersten europäischen SPAC zu diesem Thema – waren innerhalb von 30 Minuten nach ­Öffnung der Zeichnungsfrist vollständig platziert.

Trotzdem bleibt abzuwarten, ob sich der Trend auch in Europa etabliert und durchsetzt. Zwar indizieren die steigenden SPAC-Zahlen in den USA einen günstigen Zeitpunkt, das Investmentprodukt auch in Europa zu etablieren – dennoch müssen hier die derzeit strengeren Vorschriften für SPAC-Listings an den europäischen Börsen berücksichtigt werden. Nichts­destoweniger nimmt der europäische SPAC-Markt Fahrt auf und prominente ­Manager wie Ex-Commerzbank-Chef ­Martin Blessing oder Starinvestor Klaus Hommels arbeiten an eigenen SPACs. Ob sich diese Vehikel mittel- und langfristig sowohl für Investoren als auch für die ­akquirierten Unternehmen positiv erweisen, wird sich erst in Zukunft zeigen, doch für den Moment lassen die aktuellen Entwicklungen einzelner verschmolzener SPACs auf eine weiter steigende Anzahl von SPACs schließen.

Über die Autoren:
Frans-Matthis Pleie (Director) ist seit 2016 bei Bryan, Garnier & Co in München und betreut neben M&A-Themen auch Kapitalmarkttransaktionen.
Stefanie Muenz (Associate) ist seit Januar 2020 im Team und betreut M&AThemen im Technologiebereich sowie Kapitalmarkttransaktionen.