Interview mit Sven Fenger, Director Sales & Marketing, und Tim Ebert, Gründer und Managing Director, MediaEvent Services

Durch die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung einen Aufschwung erfahren: Ob Hauptversammlungen, Events oder Teammeetings – vieles findet inzwischen ausschließlich im virtuellen Raum statt. Wir sprachen mit MediaEvent Services darüber, welche Praxiserfahrungen der Dienstleister in den letzten Monaten durch den Umbruch gesammelt hat und ob reine Onlineformate auch künftig Bestand haben werden.

GoingPublic: Herr Fenger, inwiefern hat die Corona-Pandemie Ihren Unternehmensalltag und Ihr Geschäftsmodell beeinflusst?

Fenger: Wir mussten unseren Planungshorizont sehr stark anpassen. Ab März wurden Projekte und Aufträge teilweise über Nacht ab- oder angekündigt. Hybride Events wurden ausnahmslos in virtuelle umgewandelt. Das Volumen hat sich hier in kurzer Zeit nahezu verdreifacht, was für uns mit großen organisatorischen Herausforderungen verbunden war – zumal unsere Abläufe aus Gründen der Qualitätssicherung sehr stark prozessorientiert sind.

Ein weiterer Aspekt ist die Verteilung von Eventproduktion und Plattformnutzung. Wir bieten mit SlideSync eine Self-Service-fähige Online-Webcast-Plattform sowie begleitende Produktionsdienstleistungen an. Ab März konnten wir einen deutlichen Shift in Richtung Self Service wahrnehmen, verbunden mit Supportdienstleistungen, um Kunden in ihren selbst durchgeführten Events zu unterstützen. Wir spürten auch, dass die primären Kommunikationstools wie Web- und Videokonferenzlösungen nicht alle Anforderungen abdeckten – gleichwohl die Projektteams und Referenten der virtuellen Events aufgrund der Homeofficeregelungen dezentral tätig waren, was sich zumindest kurzzeitig organisatorisch als Herausforderung darstellte.

Als Konsequenz des Kontaktverbots und gleichzeitig zu Beginn der Hauptversammlungssaison stieg die Nachfrage nach virtuellen Hauptversammlungen rasch an.

Über Ihre Webcastplattform SlideSync wurden in dieser Saison bereits über 30 virtuelle Hauptversammlungen durchgeführt. Wie kam es zu dieser Konzentration und welches sind aus Ihrer Sicht die Learnings?

Ebert: Wir haben in Erwartung einer kommenden gesetzlichen Regelung bereits 2017 mit einem namhaften Registerführer eine erste Integration unserer Plattform durchgeführt und seit vielen Jahren begleitend zu den Präsenzveranstaltungen auch selbst Hauptversammlungen übertragen. Insofern waren wir hier gut aufgestellt und konnten zügig weitere Registerführer integrieren. Dazu kam das Partnergeschäft. Im Bereich der Hauptversammlungen kommen über 60% des Geschäfts über Partner, die SlideSync einsetzen.

Die Pros und Cons von virtuellen Hauptversammlungen wurden ja in den vergangenen Wochen intensiv diskutiert. Grundsätzlich waren die Planungen der allermeisten deutschen wie auch schweizerischen Haupt- bzw. Generalversammlungen nur darauf ausgerichtet, überhaupt stattzufinden. Wir konnten über alle Events eine deutliche Steigerung der Teilnahme feststellen. Allein bei Lufthansa gab es über 25.000 interne wie externe Teilnehmer. Nun müssen die Stakeholder gemeinsam Konzepte erarbeiten, wie die Interessen aller gewahrt werden und gleichzeitig die wirklich interessanten Möglichkeiten, die uns die Technologien bieten, besser genutzt werden können.

Ein großes Standbein bei Ihnen ist neben der externen auch die interne Kommunikation – was hat sich hier durch COVID-19 verändert?

Fenger: Viele langfristig geplante Projekte mussten verändert werden; somit entstand ein extrem hoher und vor allem kurzfristiger Kommunikationsbedarf – sowohl bei den Unternehmen als auch bei uns als Dienstleister. Wir konnten beobachten, dass die Teilnehmerzahlen, speziell im Livestreaming- und Webcastbereich sehr stark gestiegen sind, da die Unternehmen schnell und an viele Mitarbeiter kommunizieren mussten. Wir sprechen hier von hohen fünfstelligen Teilnehmerzahlen. Viele sogenannte Townhall Meetings und ähnliche Formate haben seitdem stattgefunden. Allerdings war die Nachfrage nach Interaktionsmöglichkeiten (auch bei der Größe) sehr groß. Als zusätzliche Konsequenz des „Lockdowns“ musste die Kommunikation von mehreren physisch getrennten Personen erfolgen.

Dieses Interview erschien zuerst in unserem aktuellen Magazin. Das ganze Interview können sie hier in unserem kostenlosen E-Magazin nachlesen.