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Im Rahmen des diesjährigen Eigenkapitalforums verkündete die Deutsche Börse, ein neues Marktsegment zu schaffen, um kleineren und mittleren Unternehmen den Gang aufs Börsenparkett zu erleichtern. Technologieaffine Gesellschaften und Unternehmen, die sich Industrie 4.0 auf die Fahnen geschrieben haben stehen dabei besonders im Fokus. Kurz nach Bekanntgabe wurden bei vielen Erinnerungen an den „Neuen Markt“ wach. Im Interview mit dem GoingPublic Magazin erklärt Marco Bodewein von der ACON Actienbank und damit  aktuellen Listing Partner der Deutschen Börse, was es mit dem neuen Segment auf sich hat, warum sich die Geschichte nicht unbedingt wiederholen muss und welche Chancen sich für SMEs bieten.

Marco Bodewein, Vorstand ACON Actienbank
Marco Bodewein, Vorstand ACON Actienbank

GoingPublic: Was erhofft sich die Deutsche Börse von dem neuen Marktsegment?
Bodewein: Ein Hauptziel ist sicherlich mit dem neuen Marktsegment die Qualität der Emittenten nochmals zu erhöhen und somit auch das Investoreninteresse für SME´s zu steigern.

Das Segment soll den Entry Standard ersetzen. Wo liegen denn im Wesentlichen die Unterschiede – oder: Inwiefern ändert sich überhaupt etwas?
Im Wesentlichen wurden die Einbeziehungsvoraussetzungen angepasst. Zukünftig muss der Emittent mindestens drei von folgenden fünf Kriterien erfüllen:  Der Umsatz muss bei mindestens 10 Mio. EUR liegen, es sollte ein positives Jahresergebnis sowie ein positives bilanzielles Eigenkapital ausgewiesen werden. Zudem sollte das Unternehmen Minimum 20 Mitarbeiter beschäftigen, bzw. ein kumuliertes Eigenkapital von mind. 5 Mio. EUR eingesammelt haben. Darüber hinaus muss der Emittent zwei Jahre existent sein, eine MarketCap von 30 Mio. EUR haben und einen Free Float von 20%, oder mind. 1 Mio. Aktien nachweisen. Begleiten muss das Listing der zukünftige Capital Market Partner, also der Nachfolger des heutigen Listing Partners, eine DueDilligence durchführen und gegenüber der Börse bestätigen. Allerdings reicht für ein technisches Listing in Zukunft, alternativ zum gebilligten Wertpapierprospekt, ein durch den Capital Market Partner zu unterzeichnendes Einbeziehungsdokument. Die Transparenzfolgepflichten orientieren sich sehr stark an den aktuellen Maßstäben des Entry Standard und der MAR.

An welche Unternehmen richtet sich das Segment explizit?
Ausgerichtet ist das neue Segment auf SME´s welche die oben genannten Kriterien erfüllen und sich über die Börse neue Finanzierungswege erschließen möchten.

Gibt es schon erste Interessenten?
Es werden sicherlich aus dem heutigen Entry Standard einige Unternehmen sich auch für das neue Marktsegment entscheiden. Aktuell sind im Entry Standard 145 Gesellschaften notiert. 85 davon qualifizieren sich schon heute das neue Segment, auch unter Ausnutzung der Grandfathering Regelung.

Für viele werden beim Gedanken an ein neues Marktsegment Erinnerungen an den Neuen Markt wach. Gibt es überhaupt Parallelen dazu?
Solche Parallelen werden häufig gezogen. Letzten Endes lohnt es sich aber sicherlich in Zukunft zu blicken und die Vergangenheit ruhen zu lassen.

Wie will die Deutsche Börse besonders mittelständische Unternehmen für die Börse begeistern? Oftmals liegt die fehlende Börsenaffinität von z.B. familiengeführten Unternehmen ja eher in der DNA des Unternehmens selbst. (z.B. Angst vor Kontrollverlust etc. pp)
Die Deutsche Börse wird das neue Marktsegment zum einen bewerben und somit den potentiellen Emittenten näher bringen. Zum anderen hat die Deutsche Börse über ihr Venture Network aktuell schon direkten Kontakt zu potentiellen Emittenten der Zukunft. Außerdem darf man auch die Arbeit der  Intermediäre nicht vergessen: Zu unseren Aufgaben zählt eben auch die börsenreife von potentiellen Emittenten festzustellen, bzw. zu fördern. Letzten Endes liegt die Entscheidung zum Börsengang immer beim Unternehmen, respektive dem Gesellschafterkreis.

GoingPublic: Herr Bodewein, vielen Dank für die interessanten Einblicke in das neue Marktsegment

Das Interview führte Svenja Liebig und erschien zuerst im GoingPublic Magazin 1-2017.

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