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Vielen wird der Betrugsfall, in den die FACC AG 2016 verwickelt war, noch deutlich in Erinnerung sein ؘ– dennoch hat sich der Aktienkurs des österreichischen Luftfahrtunternehmens seitdem außerordentlich entwickelt. Manuel Taverne erläutert im Gespräch mit dem GoingPublic Magazin u.a., auf welche Meilensteine und Herausforderungen das Unternehmen in den letzten zwei Jahren zurückblicken konnte und wie man das Vertrauen von Anlegern gewinnt und langfristig hält.

Manuel Taverne, FACC AG
Manuel Taverne, FACC AG
Herr Taverne, Glückwunsch: Seit dem 19. März ist die FACC im ATX der Wiener Börse notiert. Was bedeutet das für Sie, und wie kam es zu dem großen Schritt?

Taverne: Der Aufstieg in den ATX ist ein bedeutender Meilenstein für uns. Besonders in Hinblick auf die turbulente Vergangenheit. In den letzten 24 Monaten hat sich der Aktienkurs sehr ordentlich entwickelt. Aktuell stehen wir bei 23 EUR – also mehr als 300% im Plus im Vergleich zu 2016. Natürlich hatte die positive Unternehmensentwicklung der letzten Quartale einen erheblichen Einfluss auf die gute Performance.

Die Investoren scheinen ein gutes Vertrauen in FACC zu haben. Wie verschafft man sich solch ein Vertrauen?

Wichtig ist, immer nur das in Aussicht zu stellen, was auch plan- und machbar ist. Die Kapitalmarktkommunikation sollte nie vom operativen Geschäft abgekoppelt werden, sondern als Einheit betrachtet werden. Ein ganz wichtiger Punkt ist für mich Transparenz und Authentizität. Dazu gehört auch eine offene und ehrliche Kommunikation ohne die Verwendung allgemeiner Phrasen. Nur so kann man das Vertrauen der Anleger gewinnen und langfristig erhalten.

Hinsichtlich des Betrugsfalls Anfang 2016 gab es doch bestimmt auch einige Stolpersteine zu bewältigen, oder?

Nach dem Vorfall mussten wir schnell einen Plan entwickeln, wie wir uns am Markt neu positionieren. Wir haben dazu eine Wahrnehmungsstudie bei knapp 50 unserer Anleger durchgeführt. Ein ganz wesentliches Ergebnis der Studie, das positiv von den Investoren wahrgenommen wurde, war die transparente Kommunikation. Zu Zeiten der „Krise“ habe ich eigentlich nie ein Blatt vor den Mund genommen und immer transparent darüber gesprochen, was ist, was war und was sein kann. Transparenz und Vertrauen waren für mich wesentliche Punkte – nur so konnte den Aktionären ein klarer Einblick in die Sachlage verschafft werden, ohne sich an eine verkomplizierte Sprachregelung zu halten.

Haben Sie quasi einen Tipp? Wie kann man am besten einen kühlen Kopf bewahren, wenn es zu einer solchen „Krisensituation“ kommt?

Da gibt es leider keine Pauschalregel. Es gibt nun mal Situationen, für die es kein Rezept gibt, sondern bei denen situativ entschieden werden muss. Letztlich kommt es immer auf den jeweiligen Anlass an. Natürlich haben wir auch klassische Kommunikationskanäle genutzt – wichtig ist aber in erster Linie, kurzfristig und flexibel auf die jeweilige Situation zu reagieren und diese mit offener, ehrlicher Kommunikation zu lösen. Deshalb ist es auch schwierig, eine Patentlösung zu geben, denn die gibt es schlussendlich nicht. Jeder Fall ist eben anders.

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