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Digitale Sprachassistenten und künstliche Intelligenz (KI) sind mittlerweile aus der Automobilbranche nicht mehr wegzudenken. Im Gespräch mit dem GoingPublic Magazin erklärt paragons Geschäftsführer, wie neue digitale Technologien die Automobilbranche beeinflussen werden, was es mit der Übernahme von SemVox auf sich hat und welche Wachstumsstrategien der Automobilzulieferer künftig verfolgt.

GoingPublic: Herr Frers, Sie haben jüngst den Sprachsteuerungshersteller SemVox übernommen. Inwiefern geht die Übernahme einher mit dem Ausbau Ihres neuen Geschäftsbereichs Digitale Assistenz?

Klaus Dieter Frers, paragon AG
Klaus Dieter Frers, paragon AG

Fers: Die paragon semvox, wie wir sie jetzt nennen, repräsentiert unseren neuen Geschäftsbereich Digitale Assistenz. Darunter fassen wir unsere Systemangebote an sprachgesteuerten Interaktionslösungen und digitalen Diensten zusammen. Mehrere deutsche Autohersteller setzen die SemVox-Plattform bereits serienmäßig in eigene Systeme integriert ein. paragon semvox hat auf der zurückliegenden CES in Las Vegas den auf künstlicher Intelligenz basierenden Sprachassistenten „Edwin“ vorgestellt, der die semantischen Technologien der bewährten Plattform erstmals in einem Gerät vereint. Dadurch wird ein echter Dialog auf Augenhöhe mit dem Auto ermöglicht. Edwin unterbreitet beispielsweise proaktiv Vorschläge. Dank Edwin weiß das Fahrzeug, dass ich gerade mit jemandem telefoniert habe, und versteht mich, wenn ich ihm nach dem Gespräch sage: „Fahr mich dorthin.“

Warum sind digitale Sprachassistenten in der heutigen Automobilbranche überhaupt so wichtig?

Künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen werden ein zentrales Element der automobilen Wertschöpfungskette von morgen sein. Im Kern gibt es bei der Erschließung von KI als Wertschöpfungsquelle für OEMs vier Schlüsselerfolgsfaktoren: Sammeln und Synchronisieren von Daten aus verschiedenen Quellen, Aufbau eines Partner-Ökosystems, Aufbau eines KI-Betriebssystems und Aufbau von Kernkompetenzen zum Vorantreiben der erforderlichen Transformation.

Wo liegen Ihrer Meinung nach noch Schwachstellen bei digitalen Assistenzsystemen wie der Sprachsteuerung?

In der Realität hakt es bei den gängigen Smart Speakern derzeit noch an einfachen Dingen wie dem Akzent oder der Doppeldeutigkeit, da ihnen der Kontext und die gelernten Informationen über den Nutzer fehlen. Als wirklich smarter digitaler Assistent ist die SemVox-Plattform dagegen in der Lage, den Kontext — oder das Weltwissen — mitzuberücksichtigen. Darüber hinaus kann unser System – im Gegensatz zu einem Smart Speaker – mit unvollständigen Sätzen oder Referenzen umgehen, und das in 25 Sprachen.

Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas haben Sie zu Jahresbeginn gleich eine ganze Reihe neuer Produkte – u.a. den „perfekten Lautsprecher“ – vorgestellt. Erklären Sie uns den doch mal kurz.

Auf der CES haben wir einen Fahrsimulator ausgestellt, in dem sich die Besucher einen persönlichen Eindruck von unseren jüngsten Lösungen zu den Themen Shared Mobility, Connectivity, autonomes Fahren, digitale Assistenz, Elektromobilität und Schutz vor Emissionen machen konnten. Der von uns vorgestellte „perfekte Lautsprecher“ setzt auf intelligente Software, die Verzerrungen kompensiert. Damit können wir deutlich kleinere Lautsprecher bauen, die folglich vom OEM auch einfacher in das Auto integriert werden können. Gleichzeitig ermöglicht unsere Lautsprechertechnologie akustische Klangerlebnisse. Dazu gehört z.B. auch die softwaregesteuerte aktive Geräuschunterdrückung, wie man sie von guten Kopfhörern kennt. Automobilhersteller sparen mit diesem skalierbaren System Kosten und Gewicht, da schwere und große Subwoofer nicht mehr nötig sind.

Man merkt: Innovation und Megatrends spielen in Ihrem Geschäftsmodell eine entscheidende Rolle. Wann wird sich das vollumfänglich smarte Automobil denn komplett im Alltag durchsetzen?

Die automobile Wertschöpfungskette wird durch KI im Wesentlichen in drei Anwendungsbereichen verändert: Da sind kurzfristig die Prozesse entlang der OEM-Wertschöpfungskette selbst und langfristig Mobilitätsdienste, die vollkommen neue Geschäftsmodelle im Mobilitätsmarkt repräsentieren. Dazwischen gibt es das Feld der im Fahrzeug integrierten Fahrer- bzw. Fahrzeugfunktionen, die nach Marktschätzungen bis 2025 allein eine zusätzliche Wertschöpfung von rund 12 Mrd. USD auf ein globales Marktvolumen von dann rund 80 Mrd. USD generieren werden. Diese Funktionen werden sich in den nächsten Jahren zügig etablieren und bestehen neben den Teilsegmenten autonomes Fahren bzw. Fahrerassistenzsysteme und Navigation der nächsten Generation eben auch aus der intelligenten Sprachsteuerung und aus den – daraus erst möglichen – personalisierten B2C-Online-Angeboten seitens der Mobilitätsanbieter. Dort haben wir uns mit dem neuen Geschäftsbereich Digitale Assistenz positioniert.