May: Ich sehe das ähnlich und denke, dass eine Bank im Jahr 2039 eher als Plattform fungiert. Die Bank ist dann nicht mehr Intermediär, sondern vielmehr eine Infrastrukturplattform, an die z.B. Fintechs oder verschiedene andere Applikationen angekoppelt sind.

Kütt: Meiner Meinung nach werden sich in 20 Jahren die kompletten Finanzstrukturen dezentralisiert haben. Ähnlich wie das deutsche Fernsehen, das vor vielen Jahren auch noch zentral vom Staat gesteuert wurde, wird es auch die Finanzbranche treffen. Banken wird es 2039 auf jeden Fall noch geben, aber in einer komplett neuen Form.

Während der Expertenrunde entfachte eine lebhafte Diskussion unter den Teilnehmern.
Während der Expertenrunde entfachte eine lebhafte Diskussion unter den Teilnehmern.

Bach: Ein wichtiges Thema der Zukunft wird sein, dass die komplette Technologisierung und Teilhabe an unterschiedlichsten Assets möglich sein wird. Man stelle sich nur mal vor, dass man als Investor am Empire State Building beteiligt sein kann – und diese Beteiligung digital über die Wallet in seinem Smartphone steuern kann. Zudem haben wir aktuell noch ein substanzielles Problem, was Grundrechts- und Datenschutz anbelangt. Diese zunehmende Datentransparenz könnte schon bald manipulative Züge annehmen, woraus vor allem Großkonzerne wie Google oder Facebook ihren Nutzen ziehen könnten. Deshalb ist eine Entwicklung hin zur Dezentralisierung, in der nicht eine einzelne Person oder bestimmte Konzerne die Macht über persönliche Daten besitzen, sicherlich begrüßenswert.

Frantzen: Beim Stichwort Datensouveränität würde ich gerne anknüpfen. Diese ist eine der wesentlichen und wichtigsten Punkte überhaupt, die uns in der Zukunft beschäftigen wird – denn wir werden künftig noch stärker wissen wollen, was wirklich mit unseren Daten passiert. Des Weiteren denke ich, dass das Relationship Management und das klassische Banking auch in 20 Jahren noch existieren werden, aber in einer anderen, deutlich digitaleren Form. Trotz der fortschreitenden Konsolidierung vieler Bereiche im Bankgeschäft wird es auch immer noch Bereiche geben, bei denen eine vollständige Digitalisierung keinen Sinn macht und der Kunde sogar das alte, klassische Geschäft bevorzugt, wie z.B. die Beratung vor Ort in der Bank. Für Banken bieten sich demnach auch enorme Chancen, die alte und die neue Welt miteinander zu verknüpfen.

Liebe Teilnehmer, vielen Dank für die spannende Diskussion und die fundierten Einblicke!

Eine vollständige Fassung der Expertenrunde finden Sie in unserem E-Magazin Februar 2019.

Interview: Svenja Liebig. Fotos: Falko Bozicevic

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de