Das GoingPublic Magazin im Gespräch mit Marc Renell, Vorstandsvorsitzender der Renell Wertpapierhandelsbank, über die aktuellen Herausforderungen beim Designated Sponsoring.

GoingPublic: Herr Renell, in den vergangenen Jahren war Ihre Bank in der DS-Rating-Liste der Deutschen Börse jeweils nur mit zwei bis drei Mandaten vertreten, nun sind es 16. Woraus resultieren Ihre verstärkten Aktivitäten in diesem Bereich?

Renell: Nur wenige Mandate zu haben macht aus Kostengesichtspunkten keinen Sinn. Wir haben die Dienstleistung bisher Kunden mit angeboten, die wir bei einem Börsengang begleitet haben. Nun wollen wir das Geschäft ausbauen und gehen auch auf bereits gelistete Unternehmen zu, die evtl. mit ihrem bisherigen Designated Sponsor (DS) nicht ganz zufrieden sind.

Marc Renell
Marc Renell

Hier gibt es ja durchaus Herausforderungen, z.B. wenn ein DS durch emissionsbegleitende Banken quasi weiterverschoben wird und der DS sich bislang für das Unternehmen bislang eigentlich nicht so recht interessierte.
Bei Neuemissionen ist es oft die emissionsbegleitende Bank, die dem Emittenten einen Designated Sponsor empfiehlt oder den Service am Anfang selbst anbietet. Da ist es auch für uns schwer, an neue Mandate zu kommen. Während eines IPOs hat der Emittent mit vielen Themen zu kämpfen und ihn interessiert das Thema Designated Sponsoring bzw. Sekundärmarkt normalerweise (noch) nicht. Designated Sponsoring ist allerdings mehr, als nur täglich Quotes zu veröffentlichen. Unsere Kunden bekommen regelmäßig eine Analyse zu den Börsenumsätzen in ihrer Aktie und auch zur Performance ihrer Aktie im Vergleich zu anderen Unternehmen. Zudem pflegen wir einen direkten persönlichen Kontakt, um besondere Entwicklungen an den Märkten zu besprechen.

Wo sehen Sie die Zukunft des Designated Sponsoring? Die Regulierung durch MiFID betrifft zunehmend mehr Handelsplätze.

Wir – unsere Branche – stehen vor der grundsätzlichen Frage: Wer wird in Zukunft für die Dienstleistung eines Market Makers bzw. Designated Sponsors oder auch Liquiditätsspenders bezahlen? Der Privatanleger möchte spätestens seit MiFID II nicht mehr in Form von Courtage bzw. Börsengebühren bezahlen. Somit sehen wir in den letzten Jahren steigende Umsätze an Börsen ohne Courtage und sinkende Umsätze an Börsen wie Frankfurt, die eben immer noch Gebühren verlangen. Beim Designated Sponsoring zahlt – zumindest bei den weniger liquiden Wertpapieren – der Emittent. Das heißt, das Unternehmen möchte seinen Investoren einen liquiden Markt bieten und ist bereit, dafür auch Geld auszugeben. Ist das die Zukunft? Ich weiß es nicht, aber die Möglichkeit besteht, und wir als Renell Bank wollen darauf vorbereitet sein, wenn sich der Markt in diese Richtung weiterentwickelt.

Im Report für das erste Quartal 2019 dürfte die Renell Wertpapierhandelsbank nunmehr auch das AA-Rating erreichen. Wo lag bisher die Hürde?
Die Deutsche Börse hatte im Jahr 2017 mit der Umstellung auf die Handelsplattform T7 entschieden, dass nur noch „CCP-fähige“ Wertpapiere auf Xetra handelbar sind, also über den sogenannten zentralen Kontrahenten abgewickelt werden können. Dadurch sind viele, insbesondere ausländische Wertpapiere vom Xetra-Handelssystem verschwunden – darunter auch bekannte amerikanische Blue Chips. Bei uns hat das die Hälfte aller Designated-Sponsoring-Mandate betroffen. Wir bauen das Geschäftsfeld jetzt langsam wieder auf und haben auch noch einmal in die Technik investiert. In einer guten Mischung aus liquiden und weniger liquiden Wertpapieren veröffentlichen wir mehrere Tausend Quotes am Tag. Wir hoffen, dass wir dadurch wieder etwas mehr auf uns und die Qualität unserer Dienstleistung aufmerksam machen können.

Das Interview führte Falko Bozicevic.

Titelfoto: REDPIXEL – stock.adobe.com

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de