Zudem stehen reguläre Due-Diligence-Untersuchungen an, wobei der Commercial Due Diligence (CDD) besondere Bedeutung zukommt: Sie blickt als einzige klassische DD-Komponente in die Zukunft und dient als Investmentkompass. Professionelle Erstinvestoren haben in der Regel ausreichend Transparenz geschaffen, um auf Basis einer guten Informationslage analysieren zu können. Somit kann die CDD vergleichsweise schnell die „Pflichtbereiche“ Geschäftsmodell und historische Wachstumstreiber überprüfen und es bleibt mehr Zeit für die „Kür“: verbleibende Upside-Potenziale. Es ist davon auszugehen, dass die „low hanging fruits“ bereits geerntet und verbliebene Upside-Potenziale in Vendor Due Diligence (VDD) oder Infomemo optimistisch dargestellt sind und auf den Prüfstand gehören. Realistisch verbleibende Upsides sollten identifiziert, quantifiziert und priorisiert werden, um Hebungsprognosen im Sinne einer konkreten Roadmap zu erarbeiten. Dies hilft dabei, die mit der Upside-Realisierung assoziierten Kosten, Nutzen, Risiken und Ressourcen frühzeitig zu berücksichtigen.

Hierbei ist auch zu klären, welche Themen in Eigenregie oder nur mit externer Unterstützung realisiert werden können. Die eigene Investmentphilosophie ist mit Blick auf verbleibende Upside-Potenziale kritisch zu hinterfragen. Aktiven Investoren stehen mehr Wertsteigerungshebel zur Verfügung. Allerdings geht die Popularität angewendeter Hebel oft nicht mit deren Wirkung einher (vgl. M&A Review 11/2018, S. 368 ff.): Marktseitige Maßnahmen wie die Optimierung des Vertriebs, des Pricings oder der Erschließung neuer Marktsegmente treiben erfolgreiche Exits zwar stärker, werden aber seltener implementiert als „Branchenklassiker“, wie die Optimierung von Kostenstrukturen, Prozessen oder der Beschaffung. Können Upside-Potenziale spezifiziert werden, sind dies positive Nachrichten für Käufer und deren Bewertung des Deals.

Kreativität ist gefragt

Im letzten Schritt geht es darum, die Zuschlagswahrscheinlichkeit zu maximieren und den Fluch des Gewinners zu umgehen. Die Basis, mehr als andere bieten zu können, wird durch eine fundierte Unternehmensbewertung inklusive Upsides gelegt. Falls möglich, sollte Kontakt zu operativen Entscheidern des Targets gesucht werden, um die Umsetzbarkeit der Upside-Roadmap und den Buy-in relevanter Stakeholder zu gewährleisten. Ist parallel zu einem Investorenwechsel auch die Veränderung der Beteiligungsstruktur am Target geplant, sind Investoren im Vorteil, die für kreative Dealstrukturen offen sind oder solche Erfahrungen vorweisen können (vgl. EbelHofer Private Equity Panel 2019).
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Der Artikel ist eine Vorabveröffentlichung aus der Juni-Ausgabe des GoingPublic Magazins, das Ende des Monats erscheint.

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de