Private-Equity-Investoren haben derzeit weniger mit Fundraising und Kreditlinien zu kämpfen als mit Investitionsoptionen in aussichtsreiche Targets (vgl. EbelHofer Private Equity Panel 2019). So rechnet die Branchenmehrheit 2019 mit stagnierenden oder leicht rückläufigen Multiples auf hohem Niveau. Gleiches gilt für Transaktionszahl und Dealflow. Die Kriegskassen sind prall gefüllt, attraktive Beteiligungsoptionen jedoch rar. Von Dieter Lauszus, Steffen Sachs und Helen Christmann

Die Käuferseite reagiert unterschiedlich: Manche sind zurückhaltend, d.h., sie halten liquide Mittel für Zeiten höherer Zinsen vor und tätigen weniger Transaktionen. Andere diversifizieren stärker, indem sie mehr kleinere Beteiligungen vornehmen – teils im Zuge einer Buy-and-Build-Strategie, die zunehmend auch das „company building from scratch“ fokussiert. Zudem richten Investoren ihre Aufmerksamkeit auf den Sekundärmarkt. Hier werden im dritten Jahr in Folge noch steigende Transaktionsvolumina erwartet: Attraktive Primarys gelten als „abgegrast“. Astronomische Bewertungen werden für sie aufgerufen. Das Cherry Picking ist bei Secondarys und Tertiarys leichter und die Gefahr, dem Fluch des Gewinners zu erliegen – also zu viel zu zahlen –, für Käufer geringer. Der beobachtete „Wasserbetteffekt“ findet allerdings sowohl über Größenklassen als auch über Haltestufen der Investoren statt. Dieses Phänomen stellt Käufer auf dem Sekundärmarkt vor Herausforderungen – nachfolgend diskutieren wir Handlungsempfehlungen für Käufer.

Marktkonditionen für Exits (EbelHofer Private Equity Panel 2019)

„Gute Gebrauchte“ erkennen, bewerten und kaufen

So banal es auch ist: Der erste Schritt ist die frühzeitige Identifikation attraktiver Targets. Sie bedingt, dass Kaufinteressenten über ein gutes Branchennetzwerk verfügen, um frühzeitig über anstehende Exits anderer Investoren zu erfahren. So ist man nicht der x-te Adressat, der den Verkaufsprospekt eines M&A-Beraters erhält, und kann sich frühzeitig exklusiv positionieren – idealerweise so früh, dass das Einschalten eines M&A-Beraters vermieden und Transaktionskosten gespart werden können. Findet doch ein regulärer Transaktionsprozess statt, bietet sich für Kaufinteressenten die Chance einer früheren und/oder längeren Exklusivitätsperiode. Zudem sollte in die Target-Auswahl einfließen, über welche Kompetenzen der Wertsteigerung bzw. welches Standardrepertoire an Maßnahmen der Erstinvestor verfügt: Bei Deckungsgleichheit ist Vorsicht geboten.

Der zweite Schritt liegt in einer sorgfältigen Pre-Deal-Analyse des Targets: Zunächst ist zu beantworten, ob es unter der Regie des Erstinvestors bewiesen hat, die Anforderungen einer Beteiligungsgesellschaft erfüllen zu können. Neben überzeugenden KPIs eines profitablen Wachstumspfades ist insbesondere eine niedrige Personalfluktuation im Management – ausgenommen dessen Austausch nach Einstieg des Erstinvestors – ein deutlicher Indikator. Außerdem benötigen Kaufinteressenten eine klare Vorstellung über Entwicklungspläne für das Target, um sicherzustellen, dass die benötigte Kompetenz auch weiter an Bord bleibt, bzw. um adäquaten Ersatz suchen zu können.

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