Bildnachweis: Torbz@stock.adobe.de.

Am 14. Juli hat die Frankfurter Technologieholding Brockhaus Capital Management (BCM) ihr Börsendebüt hingelegt – und das mit einem deutlichen Kursplus am ersten Handelstag. Im Interview mit dem GoingPublic Magazin sprach BCM-CEO Marco Brockhaus über das Geschäftsmodell, die Pläne für die Zukunft und warum sich BCM von klassichen Finanzinvestoren unterscheidet.

Marco Brockhaus ist Vorstandsvorsitzender der Brockhaus Capital Management
Marco Brockhaus ist Vorstandsvorsitzender der Brockhaus Capital Management. Foto: BCM.

GoingPublic: Herr Brockhaus, derzeit dreht sich alles um die COVID-19-Pandemie. Warum sind Sie ausgerechnet jetzt an die Börse gegangen?

Seit Firmengründung in 2017 war es unser Ziel, den Schritt an die Börse zu gehen. In den vergangenen Jahren haben wir bereits vorbörslich rund 130 Mio. EUR von externen Investoren aufgenommen, um unsere beiden aktuellen Tochtergesellschaften erwerben zu können – Palas, ein führender Entwickler von hochpräzisen Geräten zur Messung, Charakterisierung und Generierung von Partikeln in der Luft (bspw. Feinstaub oder Nanopartikel) sowie die IHSE-Gruppe, die sich auf IT-Komponenten für die hochsichere, latenz- und ausfallfreie Datenübertragung in „mission critical“ Anwendungen spezialisiert hat. Der Börsengang ermöglicht es uns, solche führenden Technologieunternehmen langfristig und ohne vordefinierten Beteiligungshorizont zu begleiten und bietet zugleich erhöhte Flexibilität hinsichtlich der Finanzierung kommender Akquisitionen. Daher waren der Schritt an die Börse und die Kapitalerhöhung zum jetzigen Zeitpunkt genau richtig gewählt.

Wie kann man sich denn die Vorbereitungsphase des Börsengangs in Zeiten der Corona-Pandemie konkret vorstellen? Sicherlich lief ein Großteil virtuell ab…

Das ist richtig. Wir waren der – unseres Wissens nach – erste vollkommen virtuelle Börsengang in Deutschland, was ich persönlich als sehr positiv wahrgenommen habe. Anstelle von Dienstreisen und physischen Roadshows haben wir die Investorengespräche via Video-Calls durchgeführt, was sehr effizient und umweltschonend war. Ich denke dies könnte auch ein positives Signal für die Zukunft sein, stärker auf solche Online-Formate zu setzen. Der persönliche Kontakt ist zwar enorm wichtig in unserer Branche, dennoch könnte man sich für die Zeit nach Corona die Frage stellen, ob so manche Dienstreise überhaupt notwendig ist.

„Wir wollen auch künftig das umsetzen, was wir in den letzten Jahren bereits erfolgreich realisiert haben: ein bis zwei neue Mehrheitsbeteiligungen pro Jahr in unserem strikten Fokus auf margen- und wachstumsstarke Technologieführer mit B2B Geschäftsmodellen.“

Wie haben Investoren – vor allem auch internationale – auf Ihr Geschäftsmodell in diesen derzeit unsicheren Zeiten reagiert?

Der erfolgreiche Start an der Frankfurter Börse zeigt, dass bei Investoren das Geschäftsmodell sehr gut angekommen ist. Entscheidend für Investoren ist, dass wir unserem strikten Fokus auf margen- und wachstumsstarke Technologie-Champions im deutschen Mittelstand treu bleiben – genau das haben wir uns schon immer auf die Fahnen geschrieben. Darüber hinaus ermöglichen wir als BCM Kapitalmarktinvestoren den Zugang diesen nicht-börsennotierten Technologieunternehmen, die für sie ansonsten nicht zugänglich wären.

Welche Pläne verfolgen Sie in den nächsten Jahren und in welchen Branchen sehen Sie besonderes Potenzial?

Wir wollen auch künftig das umsetzen, was wir in den letzten Jahren bereits erfolgreich realisiert haben: ein bis zwei neue Mehrheitsbeteiligungen pro Jahr in unserem strikten Fokus auf margen- und wachstumsstarke Technologieführer mit B2B Geschäftsmodellen. Insbesondere die Bereiche Environmental sowie Security Technologies, die wir bereits heute mit unseren Töchtern abdecken, sind natürlich von Interesse für uns. Diese Bereiche wollen wir aber künftig diversifizieren, bspw. in die Richtungen Medizintechnik und Software. Alles in allem Segmente, die durch globale Megatrends wir Digitalisierung, Cybersecurity, Digitalisierung oder auch Demographie getrieben werden. Dabei bleiben wir auf den deutschen Mittelstand fokussiert, was aber nicht heißt, dass wir nicht auch mal über den nationalen Tellerrand schauen würden.

„Wir sind eben kein klassischer Finanzinvestor der Unternehmen nach einigen Jahren weiterverkauft, sondern wollen gemeinsam langfristig global wachsen.“

Wie schwierig ist es überhaupt in der heutigen Zeit, noch unentdeckte Hidden Champions hierzulande ausfindig zu machen und diese dann auch erfolgreich zu akquirieren?

Der deutsche Mittelstand ist voll von solchen unentdeckten „Perlen“ – jedoch stimmt es durchaus, dass ein Erwerb dieser Hidden Champions nicht immer einfach ist. Die Firmen, die wir kaufen, will jeder haben: seien es Family Offices, Stiftungen, PE-Investoren oder Strategen. Hier ist es also essenziell, den Unterschied unserer Technologiegruppe klar zu machen. Wir sind in der Lage, Unternehmen langfristig unter dem Dach der BCM-Gruppe zu entwickeln,  ohne dabei deren Identität oder Individualität zu verlieren – das ist ein großes Alleinstellungsmerkmal. Wir sind eben kein klassischer Finanzinvestor der Unternehmen nach einigen Jahren weiterverkauft, sondern wollen gemeinsam langfristig global wachsen. Unsere Tochter Palas unterstützen wir z.B. gerade dabei, den chinesischen Markt zu durchdringen und haben bereits Standorte in Shanghai und Hongkong eröffnet. In China herrscht ein großes Interesse an Luftqualität und der Messung von Partikeln in der Luft, wie sie Palas betreibt. Unter anderem hat Palas ein neues Gerät entwickelt, mit welchem Atemschutzmasken auf ihre Durchlässigkeit von Partikeln in der Größenordnung eines Coronavirus geprüft werden können. In diesem Zusammenhang läuft gerade eine spannende Studie. Es ist schön, diese Entwicklung als Unternehmer mitbegleiten zu können.

In welchen Bereichen hebt sich der deutsche Mittelstand global gesehen am meisten ab?

Hier sehe ich ganz klar die Umwelttechnologie als ein herausragendes Beispiel. Den Tech-Champions im deutschen Mittelstand traue ich durchaus zu, eine führende Rolle in diesem Bereich zukünftig zu übernehmen. Wenn wir hier mit dabei sein könnten, wäre das ein unheimlicher Erfolg.

Herr Brockhaus, vielen Dank für das spannende Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redaktionsleitern Kapitalmarktmedien bei der GoingPublic Media AG. Ihre Schwerpunktbereiche liegen bei Themen rund um IPOs, Investor Relations, Unternehmensfinanzierung und den Kapitalmärkten in Österreich und der Schweiz.