Seit rund zwei Jahren kursieren Gerüchte um einen möglichen Börsengang (goingpublic.de berichtete), jetzt scheint es ernst zu werden für Delivery Hero in Sachen IPO: Der Onlinelieferdienst verkündete heue früh, dass er in den kommenden Wochen eine Erstnotiz im Prime Standard der Frankfurter Börse anstrebe.

Dabei sollen neu ausgegebene Aktien aus einer Kapitalerhöhung sowie bestehende Namensaktien angeboten werden. Es wird ein Bruttoerlös von rund 450 Mio. EUR aus neu ausgegebenen Aktien erwartet – eine marktübliche Greenshoe-Option sei zusätzlich vorgesehen. Das frische Kapital soll vor allem für weiteres Wachstum und dem Schuldenabbau genutzt werden.

„Der Gang an die Börse wird uns ermöglichen, das Unternehmen weiterzuentwickeln und uns zusätzliches Kapital verschaffen, um unsere Führungsposition im Markt für Essensbestellung und -lieferung weiter auszubauen“, erklärt Niklas Östberg, CEO von Delivery Hero.

Großbanken an Bord

Für die Durchführung des IPOs auf Bankenseite hat sich Delivery Hero ausschließlich internationale Großbanken mit ins Boot geholt: Citigroup, Goldman Sachs International und Morgan Stanley agieren als Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners. UniCredit Bank AG, Berenberg, Jefferies und UBS Investment Bank wurden als zusätzliche Joint Bookrunners mandatiert.

Aktuell hält die Start-up-Schmiede Rocket Internet indirekt rund 35% der Delivery-Hero-Anteile – weitere 10% hält Naspers, beide jeweils auf unverwässerter Basis.

Im Jahr 2016 gingen bei Delivery Hero 197 Mio. Bestellungen vom Endkunden ein, was einem Anstieg von 52% gegenüber dem Vorjahr (Like-for-Like Basis: Akquistionen von foodpanda,Yemek Sepeti, Talabat und E-food sind im Vorjahresvergleich 2015 eingerechnet) entspricht. Der Wachstumsschub spiegelt sich auch in der Umsatzentwicklung wider: So kletterte dieser 2016 um 71% auf 347 Mio. EUR nach oben. Im ersten Quartal 2017 verzeichnete Delivery Hero ein Umsatzwachstum von 68% (121 Mio. EUR).

Stetiges Wachstum, aber rote Zahlen

Trotz Investitionen in organisches Wachstum und Akquisitionen, konnte der Lieferdienst sein Ergebnis seit dem letzten Jahr steigern –schreibt aber immer noch rote Zahlen: Das aggregierte bereinigte EBITDA (Delivery Hero und foodpanda) stieg um 30% von -175 Mio. EUR (Gj: 2015) auf -116 Mio. EUR  im Geschäftsjahr 2016.

2011 gegründet zählt sich Delivery Hero nach eigenen Angaben zum weltweit führenden Online-Marktplatz für Essensbestellung und -lieferung. In Europa, dem Mittleren Osten, Amerika und der Asien-Pazifik-Region betreibt das Unternehmen Online-Marktplätze für Essensbestellung und -lieferung unter verschiedenen lokalen Marken und erreicht damit rund 2,7 Mrd. Menschen. Aktuell beschäftigt das Unternehmen über 6.000 Mitarbeiter sowie mehrere tausend angestellte Fahrer in mehr als 40 Ländern.

Neben Delivery Hero steht u.a. auch die Restaurantkette Vapiano in der IPO-Pipeline für 2017 – hier wird der Börsengang bereits vor der Sommerpause erwartet.

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