Eine aktuelle Studie zeigt: einige institutionelle Investoren haben sich 2018 aus dem DAX zurückgezogen – vor allem sank der Anteil an deutschen und UK-Investoren im Vergleich zum Vorjahr. Jedoch zeigen sich US-Investoren besonders aktiv im deutschen Leitindex, was die Beliebtheit des DAX bei ausländischen Investoren verdeutlicht.

Die Studie „Investoren der Deutschland AG 6.0 – Who owns the German DAX?“ wurde bereits zum sechsten Mal in Folge vom DIRK – Deutscher Investor Relations Verband und IHS Markit (ehemals Ipreo) durchgeführt. Das Hauptaugenmerk der Studie lag sowohl auf der Verteilung, als auch speziell auf den Veränderungen und Mittelflüssen des institutionellen Streubesitzes der DAX-Emittenten hinsichtlich Geografie, Investmentstil sowie den meist genutzten Handelsplätzen. Hierbei wurden Investments auf Investorengruppenebene, von Staatsfonds sowie die Bedeutung von extra-finanziellen Kriterien und das Abstimmverhalten von Investoren näher untersucht.

Die sechste Ausgabe der Studie kam zu folgenden Haupterkenntnissen:

  • Der institutionelle Streubesitz sinkt auf ca. 60% der Marktkapitalisierung des DAX.
  • Auf den Anstieg des institutionellen Kapitals in 2017 folgte im Jahr 2018 eine Reduzierung des Engagements seitens institutioneller Vermögensverwalter um 1,6 Prozentpunkte.
  • Der Anteil der amerikanischen Investoren steigt um über einen Prozentpunkt auf 34,6% des institutionellen Streubesitzes im DAX an, speziell aktive Fonds erhöhen ihr Investment.
  • Privatanleger favorisieren weiterhin den DAX und halten im Durchschnitt 18%.
  • Passive Investments schichten weiter um, trotz des globalen ansteigenden Trends.
  • Blackrock-Gruppe bleibt größter Investor der Deutschland AG, allerdings wiederholt mit einem geringeren Anteil (-0,7pp). Die Gruppe fokussiert sich vermehrt auf passive Portfolios.
  • London bleibt das Top-Roadshowziel für DAX-Gesellschaften mit wieder erhöhtem Anteil.
  • Anleger vertrauen häufiger auf ihre eigenen Abstimmrichtlinien und werden kritischer gegenüber deutschen Gesellschaften.
  • Außerbörslicher Handel wird zu ca. 50% elektronisch abgewickelt, was eine direkte Folge von MiFID II darstellt.

„Das erhöhte Interesse von amerikanischen Anlegern bei gleichzeitigem Weggang heimischer Investoren spiegelt die Beliebtheit deutscher Gesellschaften im Ausland wider. Aber auch die hohe Bedeutung extra-finanzieller Investmentkriterien und das gestiegene Vertrauen auf eigene Abstimmrichtlinien sind Themen, denen wir uns als Verband verstärkt widmen wollen“, betont Kay Bommer, Geschäftsführer des DIRK.

Die Studienergebnisse zeigen, dass vermehrt aktive Fondsmanager den DAX favorisieren, besonders aus Nordamerika. Im vergangenen Jahr kam es im DAX zu Mittelabflüssen seitens der institutionellen Investoren. Allerdings haben vorranging ETFs zu dieser Entwicklung beigetragen. So zählen die großen ETF-Fondshäuser wie Lyxor (-1,0pp), SSGA (-0,6pp), Assenagon (-0,2pp) und Mellon Investments (-0,1pp) zu den Top-Verkäufern in 2018. Hingegen sind die Investments deutscher Anleger um 0,6pp gesunken. Nachdem UK-Investoren sich in 2017 von Mittelabflüssen im Zuge des Brexits erholt haben, ziehen sie in 2018 verstärkt Gelder aus dem DAX ab. Ihr Anteil verringert sich um fast einen Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr. Passiv ausgerichtete Investorengruppen wie Vanguard werden noch wichtiger als Investorengruppe des DAX, obwohl auch in diesem Jahr ein Rückgang zu verzeichnen ist. Top-Destination für Roadshows bleibt immer noch London, gefolgt von Frankfurt und Paris. Auf Gruppenebene dominiert die BlackRock-Gruppe mit einem erneuten Rückgang des DAX-Engagements. Extra-finanzielle (ESG) Kriterien bei der Investmententscheidung und die Anwendung eigener Abstimmrichtlinien der Investoren werden im DAX immer bedeutender.

Die detaillierten Studienergebnisse finden Sie unter folgendem Link 

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de