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Die Bestandsaufnahme zur Jahresmitte fällt ernüchternd aus: Ganze sechs IPOs spielten hierzulande in der Summe magere 40 Mio. EUR Emissionserlös ein – darunter nur ein deutsches Unternehmen, eingerahmt von fünf chinesischen Emittenten. Dagegen läuft es weiter rund an den Märkten für sogenannte Mittelstandsanleihen: Hier stehen immerhin 15 Emissionen mit einem Gesamtvolumen von knapp 600 Mio. EUR zu Buche. Ohne Kaliber einer Talanx, Evonik oder Osram wird sich an der seit Ende 2010 gewonnenen Führung auch im zweiten Halbjahr nichts ändern – oder etwa doch?

Abgesehen vom mauen Halbzeitergebnis stimmen auch die inneren Werte der bislang gesehenen ausländischen Neuzugänge ganz und gar nicht zuversichtlich:

  • Zwei der fünf neuen chinesischen Titel 2012 liegen 40% im roten Bereich.
  • Von 18 ausländischen Emittenten (nur Williams GP: Großbritannien) liegen 15 im Minus, im Durchschnitt 37%.
  • Seit Bestandsaufnahme vor genau einem Jahr ist ein Minus von fast 40% zu beklagen.
  • Ob Prime oder Entry Standard, spielt für die Performance keine Rolle.
Die chinesischen Industrieunternehmen (SOE: State-owned Enterprises) sehen sich der wirtschaftlichen Realität gegenüber: Traummargen halten doch nicht jahrzehntelang. Quelle: MoF, CEIC, Morgan Stanley Research

China made in Germany

Da chinesische Mittelständler auf ihrem Heimatmarkt bis zu drei Jahre Wartezeit für ein Börsenvorhaben einplanen müssten, liegt die Option Frankfurt näher als man denken sollte. Made in Germany gilt noch was, zumindest in China. Dass die jüngeren chinesischen Emittenten bei ihren Listings fast nur Kosten, aber keine Emissionserlöse haben, ist ein Malus, den sie notgedrungen in Kauf zu nehmen bereit sind. So erlösten FAST Casualwear, Ming Le Sports, Vange Software, Goldrooster und Haikui Seafood (allesamt 2012) zusammen weniger als 20 Mio. EUR. Listinggebühren sowie Kosten für die Bewerkstelligung der Emissionen (fast reine Notierungsaufnahmen, neudeutsch: Safe IPOs) fielen natürlich trotzdem an – insofern ein gutes Geschäft für die beteiligten Berater, Banken und Juristen. Sicherlich gab es keinen Discount bei der Erstellung beispielsweise der Emissionsprospekte.