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Die deutsche Politik vollzieht eine Gratwanderung zwischen einem ausgeweiteten Lockdown zur Abflachung der exponentiellen Ansteckungskurve, einem kontrollierten Verlauf der Ausbreitung und der Aufrechterhaltung einer möglichst hohen wirtschaftlichen Aktivität – vor allem bezogen auf Überlebensnotwendigkeiten.

Diese Vorgehensweise wird die kommenden Monate – ggf. Jahre – prägen. Doch wäre ein lang anhaltender Lockdown nicht sinnvoll, da ein wirtschaftlicher Stillstand die Voraussetzungen für ein schnelles Hochfahren der Produktion nach der Krise einschränkt und der Virus sich trotzdem wieder ausbreiten könnte, solange kein Impfstoff gefunden ist. Ein freier Verlauf der Infektionen hingegen würde zu Kapazitätsengpässen in den Krankenhäusern und einer humanitären Katastrophe führen.

Die Wirkung der mittlerweile auf den Weg gebrachten politischen und geldpolitischen Sofort-Maßnahmen muss erstmal abgewartet werden. Sobald die exponentielle Ansteckungskurve ausreichend abflacht, müssen die Beschränkungen in kleinen Schritten gelockert werden, um einen möglichst kontrollierten Verlauf der Infektion breiter Bevölkerungsteile zu gewährleisten.

„Ein freier Verlauf der Infektionen hingegen würde zu Kapazitätsengpässen in den Krankenhäusern und einer humanitären Katastrophe führen.“

Wachstumsschub erst 2021?

Diese Vorgehensweise spricht immer mehr für einen U- oder L-förmigen Verlauf der konjunkturellen Entwicklung in 2020. Langsame Aufholeffekte dürften im Laufe des zweiten Halbjahres beginnen und wohl erst in 2021 zu einem deutlichen Wachstumsschub führen. Die deutschen, europäischen und US-Einkaufsmanagerindizes verdeutlichen in dieser Woche den anstehenden Abschwung und auch der GfK-Konsumklimaindex wird schwächer erwartet.

Die Veröffentlichung der Erstanträge für Arbeitslosenhilfe in den USA am Donnerstag ist einer der wichtigsten Indikatoren, da aufgrund des flexiblen Arbeitsmarkts, verschlechternde wirtschaftliche Aussichten schnell für eine Anpassung der Kapazitäten, also Entlassungen, sorgen. Entsprechend wird mit einem deutlichen Anstieg von 281.000 auf bis zu eine Million gerechnet. Da der private Konsum die wichtigste Stütze der US-Konjunktur ist, wäre eine schnelle politische Antwort in Form eines Hilfsprogramms gegen die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Coronakrise umso wichtiger.

Über den Autor

Carsten Mumm, Donner & Reuschel
Carsten Mumm

Carsten Mumm ist Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel.