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War das Coronavirus bis circa Mitte/Ende Februar in unseren Köpfen ein noch eher fernes „asiatisches Problem“,  ging es ab März dann richtig schnell: Binnen kürzester Zeit wurden Gastronomieschließungen angeordnet, Kontaktbeschränkungen erteilt und Aktiengesetze im Schweinsgalopp geändert – Stichwort: virtuelle Hauptversammlung.   

Kaum hatte das eine Bundesland eine neuartige Maßnahme beschlossen, preschte gleich das nächste Bundesland hinterher, vergleichbar mit einem Wettkampf. Oder wie mein Kollege aus der Redaktion so eloquent zu sagen pflegt: „Regulierungsüberbieten“ (er hofft immer noch auf Begriffsaufnahme in den Duden).

Dasselbe Phänomen beobachten wir jetzt, rund zwei Monate später, in entgegengesetzter Richtung. Nennen wir es nun „Lockerungsüberbieten“:  Genauso schnell wie unser öffentliches Leben lahmgelegt wurde, scheint es jetzt ebenso rasant wieder hochgefahren zu werden.

Doch richtige Normalität will trotzdem erstmal nicht einkehren; zu stark sind die zuvor massiv unterschätzten wirtschaftlichen Kollateralschäden, mit der sich die Finanzbranche – von den heftig betroffenen Branchen wie Luftfahrt oder Tourismus ganz abgesehen – noch einige Zeit beschäftigen muss. Allein der Blick auf die Gewinn- und Umsatzwarnungen der Emittenten im ersten Quartal sorgt nicht gerade für optimistische Stimmung.

Können wir nur hoffen, dass im Falle einer weiteren Infektionswelle aus den Erfahrungen der vergangenen zwei Monaten gelernt wurde und vielleicht wirtschaftsschonendere, aber gleichwohl effektive Auflagen Anklang finden werden.

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redaktionsleitern Kapitalmarktmedien bei der GoingPublic Media AG. Ihre Schwerpunktbereiche liegen bei Themen rund um IPOs, Investor Relations, Unternehmensfinanzierung und den Kapitalmärkten in Österreich und der Schweiz.