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Für viele Unternehmen ist der Zugang zu Kapital ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Studien zeigen, dass sich gerade kleine und mittlere Unternehmen durch den Börsengang gut entwickelt haben. Ein Großteil der Unternehmen konnte das gewonnene Kapital dazu nutzen, Wachstumsstrategien zu finanzieren, die Eigenkapitalbasis zu stärken und ihre Umsätze zu steigern. Häufig werden zudem neue Mitarbeiter eingestellt, das Geschäft stärker diversifiziert und mehr Geld in Forschung und Entwicklung investiert. Von Dr. Martin Steinbach

Gastautor Dr. Martin Steinbach, EY
Gastautor Dr. Martin Steinbach, EY

Doch trotz all dieser Vorteile tun sich vor allem mittlere und kleinere Unternehmen mit dem Gang an die Börse oft schwer. Daher stärken die Kapitalmarktinstitutionen vieler Länder die jeweiligen nationalen IPO-Ökosysteme – auch in dem Bestreben, die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu unterstützten. Ein Beispiel hierfür ist der „Jumpstart Our Business Startups Act“ – kurz JOBS Act – in den USA, der Erleichterungen und Übergangsfristen für die Erfüllung der strengen Regeln für kleinere Unternehmen bietet. Aber auch vielfältige Initiativen an asiatischen Märkten bieten jungen Unternehmen wohldosierte Erleichterungen in den Bereichen Technologie und Life Science. Die Herausforderung für Regulatoren und Börsen ist dabei, die notwendigen Mechanismen für einen effektiven Investorenschutz einerseits und das Interesse der Unternehmen an einem kosteneffizienten Kapitalmarktzugang andererseits auszubalancieren, getreu dem Motto: so viel Regulierung wie nötig – so wenig Regulierung wie möglich.

Juniormärkte weltweit im Aufschwung

Die Regulierung des harmonisierten europäischen Kapitalmarkts und auch die Einfüh-rung der MAR und MiFID II lassen Börsen einen gewissen Handlungsspielraum. So entstanden auf Basis der jeweiligen Mindeststandards weltweit neue Börsensegmente, sogenannte Haupt- und Juniormärkte. Beide Börsensegmente sind weltweit zu wichtigen Bestandteilen des Angebots an Kapitalmarktzugängen geworden.

Während Hauptmärkte mit hohen Transparenzanforderungen und der Möglichkeit, in großen Auswahlindizes abgebildet zu sein, eine Bühne für tendenziell größere und etablierte Unternehmen sind, bieten Juniormärkte mit jeweils geringeren Anforderungen eine Plattform für eher kleine und mittlere Unternehmen. Diese Aufteilung spiegelt sich auch in den Marktanforderungen an die Größe von Börsengängen wider. So betragen die durchschnittlichen Platzierungsvolumina in Juniormärkten zwischen 10 Mio. und 20 Mio. USD; die gesamte Marktkapitalisierung liegt bei 40 Mio. bis 60 Mio. USD. Anders in den Hauptmärkten, wo die Platzierungsvolumina weltweit etwa zwischen 80 Mio. und 120 Mio. USD und die Marktet Cap bei 300 Mio. bis 400 Mio. USD liegen. Juniormärkte fungieren häufig als erster Zugang zum Kapitalmarkt. Zu einem späteren Zeitpunkt können Unternehmen dann, wenn sie sich entsprechend erfolgreich entwickeln, in den Hauptmarkt wechseln, der einen tendenziell internationaleren Investorenzugang bietet.