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Bitcoin war der erste Blockchain-basierte digitale Vermögenswert (Kryptowert) – es folgten zahlreiche ähnliche Projekte. Ein zentraler Aspekt der Blockchain-Technologie ist die Eigenschaft, als „elektronisches Register“ Rechte und Eigentum an Vermögenswerten zu organisieren. Dieses Merkmal der Blockchain kann dabei helfen, den aktuellen Herausforderungen zu begegnen, die sich durch die Verbreitung des Coronavirus gezeigt haben: Mit Kryptowerten im Allgemeinen kann physisches Bargeld digitalisiert werden, denn es steht im Verdacht, das Virus zu verbreiten.

Darüber hinaus können neue Finanzinstrumente geschaffen werden, um aktuelle Ineffizienzen zu beheben und gleichzeitig Transaktionskosten zu senken. Weiterhin könnte ein Blockchain-basiertes Identitätsmanagement die Anzahl der physischen Kontaktpunkte mit dem Coronavirus reduzieren. Als innovatives Konzept könnten durch diese Form des Identitätsmanagements Blockchain-basierte Gutscheine direkt an die Bürger ausgegeben werden. Gutscheine könnten dann den Konsum in einer Krise ankurbeln. Zusätzlich könnten digitale Identitäten auch mit Gesundheitszertifikaten kombiniert werden, um Personen zu identifizieren, die immun gegen das Coronavirus sind.

Einleitung

Die Corona-Pandemie erschütterte das weltweite Finanzsystem. Nachdem das Virus Europa erreicht hatte, waren die Finanzmärkte in Panik geraten: Der deutsche Aktienindex DAX verlor binnen zwei Wochen mehr als 30% (siehe Abbildung unten) und verzeichnete somit einen der größten Einbrüche in der Geschichte. Die Zinskupons auf Staatsanleihen stiegen teilweise enorm an.

Die starken Marktreaktionen deuten auf eine drohende, schwere Rezession hin. Regierungen auf der ganzen Welt kündigten deshalb beispiellose Konjunkturprogramme an, um die Wirtschaft zu stützen. Außerdem führten Zentralbanken weltweit expansive geldpolitische Maßnahmen durch, indem sie die kurzfristigen Refinanzierungszinssätze senkten oder neue Programme zum Aufkauf von Vermögenswerten einführten.

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Digitalisierung der Zahlungssysteme

Blockchain-basierte Kryptowerte sind vollständig digital, d.h. sie bieten einen digitalen Wertanspruch. Durch die Digitalisierung vereinfacht sich der Zahlungsverkehr und die Abwicklung von Zahlungen massiv.

Bankenschließungen und Limits für Bargeldabhebungen

Durch das Coronavirus wurde „Social Distancing“ zum obersten Gebot, um die Infektionszahlen zu reduzieren. Daher wurden Geschäfte und auch Bankniederlassungen geschlossen, u.a. in Deutschland und den USA. Besonders ländliche Gebiete mit nur wenigen Bankfilialen waren stark betroffen. Ältere Menschen, die zu Hause bleiben sollten, um ihre Gesundheit nicht zu gefährden, hatten damit einen erschwerten Zugang zu ihrem Konto. In einigen Ländern wurden sogar Grenzen für Bargeldbezüge eingeführt, sodass Kunden teilweise nicht in der vorgesehenen Höhe Geld abheben konnten.

Die Lösung ist ein digitaler Zahlungsverkehr. Digitale Bezahlmethoden, wie auch Kryptowerte, werden zunehmend öfters eingesetzt. Folglich wird sich der Bedarf an Öffnungszeiten der Banken und an Banknoten in Zukunft weiter verringern.

Kontaktlose Zahlungsmethoden

Forscher haben herausgefunden, dass Keime von Viren, z.B. des Coronavirus, auf Banknoten weitergegeben werden könnten. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat dargelegt, dass Keime noch einige Zeit auf Banknoten verbleiben könnten. Gemäß einer Studie des Journal of Hospital Infection ist es zudem möglich, dass Keime des Coronavirus bis zu fünf Tage auf Banknoten überleben. Die zuständige Finanzbehörde in Singapur (Monetary Authority Singapore) hat der Öffentlichkeit empfohlen, so oft wie möglich kontaktlose Zahlungsmethoden zu verwenden. Die chinesische Zentralbank hat konkrete Maßnahmen ergriffen und Banknoten desinfiziert, um die Keime des Virus zu entfernen.

Diesbezüglich könnte die Verwendung digitaler Bezahlmethoden das Risiko einer Ansteckung mit dem Virus senken. Es gibt zwar bereits zahlreiche digitale Bezahlmethoden von bekannten Technologieriesen wie Apple Pay und Google Pay. Digitale Währungen oder eine digitale Zahlungsinfrastruktur könnten das Angebot zusätzlich erweitern. Ein aktuelles Beispiel hierfür bietet das von Facebook-initiierte Libra-Projekt. Auf diese Art und Weise lässt sich Geld bequem von A nach B transferieren, ohne dass physisches Bargeld benötigt wird. Somit könnte das Risiko einer Virusinfektion durch das Berühren von Banknoten oder Münzen reduziert werden.

Tokenisierung von Vermögenswerten

Blockchain-basierte Kryptowerte können Ineffizienzen und Transaktionskosten auf ein Minimum reduzieren und gleichzeitig neue, innovative Finanzinstrumente zur Verfügung stellen, die so ausgestaltet werden können, dass sie auch in Krisenzeiten stabil und effizient sind.

Gold und Silber: Enorme Gebühren und begrenzte Verfügbarkeit

In Krisenzeiten steigt traditionell die Nachfrage nach Edelmetallen, wie z.B. Gold- und Silbermünzen oder -barren. Kunden sehen Edelmetalle als einen soliden Wertspeicher und somit als Instrument zur Absicherung gegenüber (Hyper-)Inflation in Krisenzeiten. Auch während der aktuellen Krise stieg die Nachfrage nach Edelmetallen enorm an, sodass die meisten (Online-)Edelmetallhändler, z.B. Degussa in Deutschland, sehr schnell ausverkauft waren.