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Rolf Elgeti hat die erste SPAC in Frankfurt aufgelegt, die ihr Target im Bereich Proptech und Climatetech sucht. Im Interview erklärt er, welche Zielunternehmen infrage kommen und was ein passendes Target mitbringen muss.

GoingPublic: Herr Elgeti, Sie haben mit der OboTech Acquisition SE eine SPAC aufgelegt, die ein Target im Bereich Proptech oder Climatetech sucht. Haben Sie bereits interessante Zielunternehmen ausgemacht?

Elgeti: Ja, wir haben vor Börsengang über 50 potenzielle Ziele identifiziert und arbeiten uns nun durch diese Liste, verkleinern sie ständig und investieren viel Zeit in die Prüfung, um dann am Ende mit einem Ziel über die Linie gehen zu können.

Wie schätzen Sie die Lage ein: Besteht eher ein Überangebot an passenden Targets oder wird es schwierig, das optimale Zielunternehmen zu finden?

Ich denke, hier muss man ganz klar zwischen Europa und den USA unterscheiden. Der SPAC-Zyklus ist in den USA mit aktuell über 500 SPACs, von denen die große Masse noch keine Transaktion angekündigt hat, natürlich ganz anders als in Europa, wo es kaum SPACs gibt. Die entscheidende Frage wird sein, inwieweit die amerikanischen SPACs auch diesseits des Atlantiks auf Zielsuche gehen.

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Ziele gibt es in Europa nach meiner Einschätzung noch reichlich. Dabei muss man auch berücksichtigen, dass Start-ups in Europa nicht so komfortabel mit spätphasigem Wachstumskapital ausgestattet werden wie in den USA. Das hilft zumindest im Moment noch aus Sicht des SPAC-Sponsors.

Warum sollte ein interessantes Unternehmen das Listing über die Fusion mit OboTech umsetzen – welche Vorteile bietet der Börsengang via SPAC jungen Firmen?

Allgemein wird hier immer das Argument der leichteren Regulatorik gebracht, was erstens weniger zutrifft, als mancher denkt, und zweitens zu kurz greift. Meiner Meinung nach sollte sich jede Firma, die über eine SPAC an die Börse gehen möchte, drei Fragen stellen:

1. Kann mir der Sponsor der SPAC mit seinem Netzwerk und Know-how in meiner ganz speziellen Nische helfen?
2. Bringt mir viel Geld viel – im Sinne von Wettbewerbsvorteilen?
3. Bringt es mir viel, wenn dieses Geld schnell kommt?
Die Antwort sollte mindestens ein Mal ein klares Ja sein, besser natürlich in allen drei Fällen, damit eine SPAC ihre Vorteile wirklich im Interesse des Zielunternehmens ausspielen kann.

Was muss ein Target mitbringen, damit wiederum Sie interessiert sind?

Wir suchen eine Technologie, die es schafft, einen wohldefinierten wirtschaftlichen Mehrwert für die Anwendung in der Immobilienbranche zu bringen; idealerweise auch einen ökologischen Mehrwert. Am Ende suchen wir ein Unternehmen, das helfen kann, den Immobilienbestand gleichzeitig umweltfreundlicher und wirtschaftlicher zu machen.

Dieser Technologie wollen wir am Markt zu möglichst großer Verbreitung verhelfen, mit starken Unit Economics und einer guten Skalierbarkeit. Ein starkes Managementteam schadet ebenfalls nicht.

Das Kernargument einer jeden SPAC sind die Sponsoren und Manager, die hinter dem Börsenmantel stehen. Wer sind Ihre Mitstreiter und wessen Idee war die SPAC?

Wir, Obotritia Capital, haben ein sehr starkes Team von Mitstreitern, die teilweise sehr intensive und jahrzehntelange Erfahrung aus der Immobilienbranche und auch von den Finanzmärkten mitbringen. Aus dieser Schnittmenge ist bei uns auch die Idee gereift, eine SPAC aufzulegen. Außerdem haben wir ein Team mit großer Erfahrung im Start-up-Bereich und eine starke Truppe an jungen und intelligenten Analysten. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir zumindest glaubwürdig vorgeben können, dass wir diesem Projekt gewachsen sind. Aber zeigen wird sich das natürlich erst nach dem Deal und dann auch nur an einer Variablen: dem Aktienkurs.

Sie betreiben mit der Obotritia Capital KGAA bereits ein erfolgreiches Investmentvehikel. Warum also die SPAC – Sie könnten doch einfach über Obotritia investieren?

Das ist theoretisch richtig, aber mit der SPAC können wir ein größeres Ticket bewegen und vor allem das Zielunternehmen schneller an die Börse bringen, als das bei einem klassischen IPO der Fall wäre.

Welchen Return erwarten Sie für Ihre Investoren und welche Benefits für Ihr Zielunternehmen?

Sagen wir mal so: Die Struktur unseres SPACs ist so, dass wir als Sponsor erst verdienen, wenn unsere Investoren mindestens 50% an Rendite gesehen haben. Insofern sind unsere Erwartungen oder Hoffnungen an die Rendite sehr hoch. Dafür wird viel gearbeitet werden. Das Ganze ist natürlich eine hochriskante Sache.

Unser Zielunternehmen kann sich darauf verlassen, dass unser gesamtes Team jederzeit mit vollem Einsatz dafür arbeitet, das Geschäft weiterzuentwickeln – auf allen Ebenen, auf denen wir das können. Dazu gehört ein gewisses Händchenhalten am Kapitalmarkt – aber noch viel mehr. Last but not least sind da noch die 200 Mio. EUR, die wir mitbringen – damit wird sich hoffentlich etwas Wert- und Sinnstiftendes erreichen lassen.

In den USA haben SPACs 2020 und 2021 einen beinahe beispiellosen Boom erlebt, der jetzt nach Europa überschwappt. Wird das SPAC-tacle Ihrer Meinung nach in den nächsten Monaten anhalten?

Sehr schönes Wort! Ich denke, man muss hier zwei Dinge sehen: Erstens ist die Party eigentlich schon vorbei – die Investoren sind bei Weitem nicht mehr so offen gegenüber SPACs wie noch vor einigen Monaten. Das verschiebt die Marktkräfte in Richtung der SPACs, die schon an der Börse sind.

Zweitens allerdings hat die große Masse der amerikanischen SPACs noch kein Ziel gefunden und das Umfeld wird durch nicht mehr ganz so robuste Technologiebewertungen und eine steigende Konkurrenz eher schwieriger. Das ist eine tickende Zeitbombe.

Am Ende kommt es darauf an, wie die SPACs für ihre Aktionäre Wert schaffen. Da wird sich vermutlich viel Spreu von wenig Weizen trennen. Für die SPACs, die liefern können, was sie versprochen haben, wird es aber für alle drei Parteien – Zielunternehmen, Investoren und Sponsoren – ein sehr lukratives Unterfangen gewesen sein.

Herr Elgeti, vielen Dank für das gute Gespräch.

ZUM INTERVIEWPARTNER
Rolf Elgeti, CFA, ist Gründer und persönlich haftender Gesellschafter der Obotritia Capital KGAA. Davor war er Vorstandsvorsitzender der TAG Immobilien AG und Finanzanalyst in London. Er ist Absolvent der Universität Mannheim und der ESSEC Business School, Paris.