Robert Wirth, Vorstand, EquityStory AG

Als Alternative zu den klassischen Bankkrediten gewinnen Corporate Bonds immer mehr an Bedeutung. Das hat auch Folgen für die IR-Arbeit: Das Thema Fixed Income Investor Relations setzt einen neuen Schwerpunkt und schafft neue Herausforderungen. Im Rahmen einer Anleiheemission können diese mit einer speziellen Zeichnungssoftware gemeistert werden, die einen modernen, automatisierten Zeichnungsprozess gewährleistet und darüber hinaus weite Teile der Kommunikation mit den Bondinvestoren übernimmt.

Vor allem für den Mittelstand sind Unternehmensanleihen ein wichtiges Instrument, um Fremdkapital aufzunehmen und die Kapitalbasis zu stärken. Im rauen Finanzmarktumfeld wird jedoch in den seltensten Fällen eine schnelle Vollplatzierung erreicht, denn die Investoren agieren angesichts der heftigen Verwerfungen mittlerweile sehr vorsichtig.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Anleiheemission sind deshalb neben einer durchdachten PR-Strategie vor allem gezielte Marketingmaßnahmen, um auch viele Retailanleger zu erreichen und später einen liquiden Handel der Anleihe zu gewährleisten. Denn das ist für institutionelle Investoren in der Regel ein entscheidendes Kriterium für den Einstieg.

Eigene Internetseite als zusätzlicher Absatzkanal

Es lohnt sich aber auch eine Betrachtung der Absatzkanäle. Klassischerweise wird ein Lead-Manager beauftragt, institutionelle Zeichner und Direktbanken anzusprechen. Über die Börse ist eine Zeichnung in der Regel über einen Zeitraum von zwei Wochen möglich. Danach wird die Anleihe in den Handel eingeführt.

Doch die Emittenten sollten bereits im Vorfeld der Emission darauf vorbereitet sein, dass das gewünschte Volumen innerhalb der Börsenzeichnungsfrist nicht platziert werden kann. Deshalb ist es sinnvoll, das Zeitfenster für Emissionen nicht auf zwei Wochen zu begrenzen, sondern die Gültigkeit des Wertpapierprospekts von bis zu einem Jahr ausnutzen.

Und hier kommt ein ganz wichtiger Absatzkanal ins Spiel: die unternehmenseigene Internetseite, über die eine Anleihe auch nach der Einführung an der Börse gezeichnet werden kann. Eine Software, wie der von der EQS Group entwickelte „Bond Manager“, ermöglicht Privatanlegern die Zeichnung der Anleihe bis zum Ende der Gültigkeit des Prospekts, natürlich unter Einhaltung aller rechtlichen Rahmenbedingungen. Bei Eigenemissionen können die Emittenten mit dieser Software sämtliche Kommunikationsvorgänge mit den Privatanlegern automatisiert vornehmen.

In die Website des Unternehmens wird dabei das Userinterface des Zeichnungsprogramms, also die Benutzeroberfläche, als iFrame integriert. Damit ist es den Investoren möglich, über das Online-Zeichnungsformular, das im Idealfall im Look and Feel des Emittenten erscheint, die Anleihe verbindlich zu zeichnen – online, aber alternativ auch per Fax oder auf dem Postweg.

Der Emittent bietet seinen Investoren mit einem Zeichnungstool eine hohe Servicequalität, ohne selbst großen eigenen Aufwand zu betreiben: Denn die Aufgaben innerhalb des Zeichnungsprozesses sollten von externen Funktionsträgern wie dem Operator, dem technischen Administrator und der Zahlstelle übernommen werden.

Mit Zeichnungstool alle Hürden der Praxis nehmen

Unternehmen sollten auch darauf achten, dass die eingesetzte Zeichnungssoftware die Hürden der Praxis meistert, beispielsweise die automatische Berechnung von Stückzinsen. Ebenso ist es wünschenswert, dass das Programm dank im System hinterlegter Templates auf alle Eventualitäten (Widerruf bzw. Änderung der Zeichnung, fehlender Geldeingang etc.) reagieren kann.

Für den Emittenten ist ein ganz wichtiger Aspekt, dass er beim Einsatz eines Zeichnungstools nicht nur alle abgewickelten Transaktionen kennt, sondern im Gegensatz zu anderen Zeichnungswegen auch die Anleihekäufer. Das Unternehmen kann also jederzeit mit seinen Geldgebern in Kontakt treten – ohne großen zeitlichen und finanziellen Aufwand. Das ermöglicht eine direkte Ansprache und effiziente Creditor-Relations-Maßnahmen.

Ein weitsichtiger Finanzvorstand legt bereits während der Laufzeit ein besonderes Augenmerk auf die kontinuierliche Investorenpflege. Denn ein zufriedener Anleger wird seine Anteile nicht so schnell über die Börse veräußern, sondern bis zur Endfälligkeit im Depot halten. Die Chance, dass ein Investor nach der Rückzahlung der Anleihe die freigewordenen Mittel unmittelbar wieder in einer weiteren Tranche beim Unternehmen anlegt, ist ebenfalls als sehr hoch einzustufen.

Als wirkungsvolle Maßnahmen, um das Vertrauensverhältnis zu den Gläubigern zu stärken, haben sich neben pünktlichen Zinszahlungen persönliche Briefe des Vorstands oder auch telefonische Kontakte erwiesen. Die regelmäßige Versorgung der Investoren mit Unternehmensnachrichten, Zwischenberichten oder auch mit Statements des Vorstands zu neuen Produkten, Projekten und Erfolgen schafft nicht nur Transparenz, sondern sorgt auch dafür, dass sich die Anleger mit ihrem Investment sicher und gut aufgehoben fühlen.

Fazit

Mit einer Softwarelösung, die die angesprochenen Anforderungen erfüllt, steht den Emittenten von Unternehmensanleihen ein Instrument für einen modernen, automatisierten Zeichnungsprozess zur Verfügung, so wie es im Online-Zeitalter wünschenswert ist. Mit diesem Absatzkanal bieten Unternehmen nicht nur einen zusätzlichen Service für Privatanleger, ohne großen eigenen Aufwand betreiben zu müssen, sondern sie erhöhen dank der verlängerten Zeichnungsmöglichkeit auch die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Platzierung. Außerdem sind die mit Namen registrierten Anleihegläubiger ein wertvoller Schatz für den Emittenten, wenn die Refinanzierung der Anleihe über ein öffentliches Anleiheangebot erfolgen soll.