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Auch im vierten Quartal 2019 sitzen Investoren auf einem Rekordkapitalbestand und gehen weiterhin einer geringen Anzahl an hochwertigen Unternehmen nach. Währenddessen werden die Schlagzeilen von globalen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten dominiert. Wie profitieren Käufer und Verkäufer von diesen Entwicklungen? Harris Williams, eine global tätige führende M&A-Beratungsgesellschaft für den Mittelstand, hat seine Experten aus einer Vielzahl von Branchengruppen und Regionen zusammengebracht, um das herauszufinden. Nachfolgend finden Sie die Erkenntnisse aus diesem Treffen, darunter auch drei neue Käuferstrategien und wie Verkäufer das Beste aus jeder einzelnen Strategie machen können.

Noch immer ein Verkäufermarkt

Abbildung 1: Rückgängiges M&A-Volumen seit dem Höhepunkt im Jahr 2017. Quelle: Thomson Financial
Abbildung 1: Rückgängiges M&A-Volumen seit dem Höhepunkt im Jahr 2017. Quelle: Thomson Financial

Der Wettbewerb um hochqualitative Anlagemöglichkeiten ist nach wie vor intensiv. Tatsächlich hat die Intensität des Wettbewerbes im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt sogar weiter zugenommen. Das M&A-Volumen liegt unter dem Höchststand von 2017 und eine begrenzte Anzahl von Transaktionen wird von einer wachsenden Gruppe von Käufern verfolgt: Diese reicht von strategischen Käufern und Private Equity-Gruppen über Family Offices, Langfristinvestoren („Patient Capital“) und Infrastrukturfonds bis hin zu Special Purpose Acquisition Companies (SPACs) (Abbildung 1).

„Die Private-Equity-Anlageklasse entwickelt sich weiter und so nehmen zunehmend verschiedene Arten von Käufern teil“, sagt Bob Baltimore, Managing Director der Harris Williams Business Services Group. „Ob SPACs, Infrastrukturfonds oder Family Offices, mehr Wettbewerb um Investitionsmöglichkeiten ist aus Verkäufersicht gut.“

Diese Käufer sind auf der Suche nach Wachstum. Das Wachstum des Gewinns pro Aktie (EPS) hat sich bei den S&P 500-Unternehmen in den letzten Quartalen verlangsamt, was die Notwendigkeit des anorganischen Wachstums erhöht.

Abbildung 2: Rückläufiges Ertragswachstum. Quelle: Standard & Poor's
Abbildung 2: Rückläufiges Ertragswachstum. Quelle: Standard & Poor’s

„Um ein erhöhtes Bewertungsniveau zu rechtfertigen, müssen viele börsennotierte Unternehmen ihren Aktionären ein signifikantes Wachstum aufzeigen“, sagt Tim Webb, Geschäftsführer der Industrials Group von Harris Williams. „Oftmals reichen die organischen Möglichkeiten nicht aus, und sie verlassen sich auf M&A, um das Wachstum zu steigern.“

Unternehmen haben ausreichend liquide Mittel für Akquisitionen (wie in Abb. 3 dargestellt): Die gesamten Kassenbestände  von S&P 500 Unternehmen (ohne Finanzinstitutionen) haben in den letzten Jahren auf fast 1,5 Bio. USD zugenommen. (Quellen: FactSet, Prequin)

Auch Finanzinvestoren suchen eifrig nach Investitionsmöglichkeiten. Allein im Jahr 2018 haben sich mehr als 900 Private Equity-Fonds weltweit mehr als 450 Milliarden US-Dollar an Kapitalzusagen gesichert. In der ersten Jahreshälfte 2019 sammelten die 10 größten Fonds fast 80 Milliarden US-Dollar ein, etwa 25 Prozent mehr als das eingesammelte Kapital der 10 größten Fonds in der ersten Jahreshälfte 2018 (Quelle: Private Equity International Fundraising Report H1 2019). Heute gibt es mehr als 1 Billion US-Dollar an Private Equity-Kapital, das weltweit nach Investitionen sucht. Dies sorgt für einen anhaltenden Aufwärtsdruck auf die Bewertungen  und fördert  gleichzeitig das Wirtschaftswachstum.

Wachstumsdellen, kein Einbruch

Abbildung 3: Strategische Käufer haben 1,5 Billionen US-Dollar an freier Liquidität. Quellen: FactSet, Preqin
Abbildung 3: Strategische Käufer haben 1,5 Billionen US-Dollar an freier Liquidität. Quellen: FactSet, Preqin

Trotz alledem machen die heutigen geopolitischen und globalen Handelsanliegen Schlagzeilen und beeinflussen einige Transaktionen. So verzögern laut Webb beispielsweise die Überprüfungen des Committee on Foreign Investment in the U.S. (CFIUS) Transaktionen zwischen internationalen Käufern und Unternehmen mit kritischen Technologien. Darüber hinaus, so Webb, haben Zölle Unsicherheit für Unternehmen mit internationaler Präsenz geschaffen, sowohl aus der Beschaffungs- als auch aus der Vertriebsperspektive.

Daniel Wang, ein Geschäftsführer von Harris Williams, zuständig für Asien, bekräftigt dieses Gefühl der Unsicherheit. Gleichzeitig seien die Auswirkungen auf grenzüberschreitende Transaktionen jedoch begrenzt, insbesondere für Konsumgüterunternehmen. „Bei jüngsten Besuchen chinesischer Käufer, die an britischen und US-amerikanischen Assets interessiert sind“, sagt er, „haben die Beteiligten kaum die Beziehungen zwischen den USA und China als Hindernis für eine Zusammenarbeit erwähnt.“

Jeff_Perkins_Harris_Williams_Frankfurt
Jeff_Perkins, Harris Williams, Frankfurt

Jeff Perkins, Managing Director der Industrials Group von Harris Williams in Frankfurt, hat ebenfalls einige Bedenken im Zusammenhang mit dem Brexit festgestellt, aber keine wesentlichen Auswirkungen auf M&A: „Während wir eine gewisse Verringerung der Anzahl an Transaktionen gesehen haben, wirkt sich der Brexit nicht auf die Bewertungslevels hochwertiger Assets in wachstumsorientierten Endmärkten aus. Die meisten Käufer sind langfristig orientiert und sehen ein gutes Wachstumspotenzial für die nächsten 10 bis 20 Jahre.“

Die potenziellen Erträge aus Direktinvestitionen ziehen in große Privatunternehmen weiterhin neue Käufer an. „Jeder Käufer rechnet jetzt mit einem Abschwung“, sagt Geoff Smith, Geschäftsführer der Harris Williams Healthcare & Life Sciences Group. „Sie machen ihre Berechnungen und kaufen immer noch gute Unternehmen, die über verschiedene Wirtschaftszyklen hinweg gut funktionieren.“

Drei Schlüsselfaktoren für die Dynamik von Käufer und Verkäufer

Wie stellen sich Käufer und Verkäufer auf dieses dynamische Umfeld ein? Wie im Folgenden beschrieben wird, treibt ein härterer Wettbewerb um qualitativ hochwertige Assets in Verbindung mit konjunkturellen Bedenken drei wichtige Käuferverhaltensweisen voran – jede davon kann ein Verkäufer in seine eigene Strategie integrieren.

  1. Bezahlen für Stabilität, während gleichzeitig ein Wert in einer gewissen Zyklizität liegt.

Natürlich ist kein Unternehmen perfekt, aber einige sind eindeutig besser positioniert, um einen Konjunkturrückgang zu überstehen als andere. Wie von Webb zusammengefasst: „Käufer sehnen  sich nach Unternehmen mit begrenztem Zyklusrisiko und akzeptieren dafür vermehrt niedrigere Renditen für den Kapitaleinsatz.“

  1. Kernkompetenzen aufzeigen – wohin sie auch führen.

In einem hochkompetitiven und dynamischen Umfeld ist differenziertes Fachwissen wichtiger denn je. „Wenn Sie um nachgefragte Assets konkurrieren, ist es wichtiger denn je, Ihre Kernkompetenz zu verstehen“, sagt Baltimore. „Wenn Sie eine einzigartige Erfahrung haben, können Sie einen differenzierten Blickwinkel einbringen, was der Schlüssel zu einer langfristig höheren Rendite ist.“

Perkins sieht die gleiche Dynamik in Europa: „Um sich durchzusetzen, muss man genau wissen, wohin man dieses Geschäft führen wird, denn wenn es ein großartiges Unternehmen ist und jeder hinter ihm her ist, muss man es entwickeln. Man sollte eine klare Meinung darüber haben, welche Zukäufe sinnvoll sein könnten, welche neuen Produkte oder Dienstleistungen man einführen und welche neuen Märkte man erschließen kann.“

  1. Anbieten von verkäuferfreundlichen Deal-Strukturen, einschließlich Minderheitsbeteiligungen und Equity Rollovers.

Nach Ansicht der Experten von Harris Williams führen wettbewerbsgetriebene Bewertungen und die zunehmende Gefahr eines wirtschaftlichen Abschwunges auch zu einem Anstieg von Minderheitsbeteiligungen und Equity Rollovers. Solche Transaktionen sprechen Verkäufer an, die an ihrem Geschäft beteiligt bleiben und auch am zukünftigen Erfolg teilhaben wollen. Die Möglichkeit, solche Strukturen anbieten zu können, bietet Investoren gegebenenfalls einen entscheidenden Vorteil in einem wettbewerbsintensiven Umfeld.

Fazit

Inmitten finanzieller und politischer Unsicherheit zieht der M&A-Markt weiterhin Kapital von einem breiten und wachsenden Investorenkreis an. Angesichts des intensiven Wettbewerbs um die begehrtesten Anlagemöglichkeiten, der die Preise in die Höhe treibt, sehen immer mehr Investoren den Wert in Unternehmen, die möglicherweise mehr Arbeit benötigen oder eine gewisse Zyklizität aufweisen. Und da sie sich in diesem hart umkämpften Umfeld behaupten wollen, suchen Käufer zunehmend nach neuen Wegen, um von differenziertem Know-how zu profitieren. Eine weitere Ausprägung des heutigen starken Wettbewerbs: verkäuferfreundlichere Deal-Strukturen, die beiden Seiten einer Transaktion erhebliche Vorteile bringen können. Für jeden dieser Käufertrends gibt es entsprechende Ansätze, die Verkäufer nutzen können, um den Wert ihres Unternehmens zu maximieren, einschließlich des proaktiven Sammelns von Daten, des frühzeitigen Aufbaus der richtigen Beziehungen und der Fokussierung auf Partnerschaften gegenüber kurzfristiger wirtschaftlicher Faktoren. Möglicherweise am wichtigsten: Verkäufer sollten im Hinterkopf behalten, dass die Bedingungen erstklassig sind, um ein gutes Unternehmen auf den Markt zu bringen.