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Erinnern Sie sich noch? Ganze 20 Jahre ist es bereits her, als wir dem „Millennum“ entgegenfieberten: Damals steckte die Angst in den Knochen, dass die Computersysteme  die Umstellung ins neue Jahrtausend nicht mitmachen würden und es zum Super-GAU käme. Noch größere Crash-Propheten glaubten sogar, die Welt würde untergehen. All diese apokalyptischen Horrorszenarien trafen, wie zu erwarten war, nicht ein.

Mitarbeiter des Öl-Multis Aramco. Fotos: Saudi-Aramco.
Mitarbeiter des Öl-Multis Aramco. Foto: Saudi-Aramco.

Wenngleich damals die wenigsten erahnt hätten, dass wir heute über digitale Währungen diskutieren und ein Großteil unseres privaten sowie beruflichen „Lebens“ auf einem handgroßen Telefon abgespeichert ist – eines hätte damals sicherlich ebenfalls keiner vorhergesagt für das Jahr 2019: Dass mit der „Old Economy“ ähnlich der Ölindustrie noch ein Super-Coup gelandet werden könne. Umweltbewegungen und das Wissen über begrenzte fossile Energieträger waren schließlich auch Ende der 1990er Jahre kein Fremdwort. Der Öl-Gigant Saudi Aramco hat es also heute, 20 Jahre später und im Zeitalter von Greta & Co. trotzdem geschafft, wertvoller an der Börse zu sein als der Tech-Riese Apple. Verkehrte Welt?

„Schwarzes Gold“ vs. Nachhaltigkeit

Die boomende Nachhaltigkeitsbewegung und das Mega-IPO von Aramco passen nicht wirklich zusammen.Foto: Nicola@stock.adobe.com
Die boomende Nachhaltigkeitsbewegung und das Mega-IPO von Aramco passen nicht wirklich zusammen.Foto: Nicola@stock.adobe.com

So ganz passt die Branche des „Schwarzen Goldes“ in der Tat nicht in das hippe Nachhaltigkeitsuniversum heutiger Zeit. Gerade jetzt, wo die Finanzindustrie das Thema „neu“ für sich entdeckt hat und gefühlt einen Nachhaltigkeitsfonds nach dem nächsten auflegt, wirkt es beinahe bigott, im nächsten Atemzug in Aktien fossiler Brennstoffe zu investieren. Doch klar ist auch: Die saudi-arabische Regierung war noch nie wirklich für ihre Umweltfreundlichkeit bekannt und gilt bei jeglichen globalen Klimaabkommen eher als Bremserstaat. Laut diversen Medienberichten bekräftigt die Regierung in Riad, die Teile des Aramco-Konzerns an der Börse veräußert hat, mit den Erlösen aus dem IPO jedoch die saudische Wirtschaft umzubauen – um sich auf lange Sicht vom Öl unabhängiger machen. Ist da also doch noch ein Fünkchen Klimabewusstsein vorhanden?

Wie dem auch sei – würde man in 20 Jahren auf das Jahr 2019 blicken, käme man zu dem Schluss: An Widersprüchlichkeiten und Komplexität mangelte es sicherlich nicht.

 

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de